
Zum Gedenken an
STEPHEN L. (STEVE) V1NSON, ehemals Detective-Sergeant (Mordkommission), Miami Police Department, Berater und guter Freund, der kurz vor Vollendung dieses Buchs mit zweiundfünfzig Jahren gestorben ist.
Das Leben gleicht dem Gastmahl des Damokles, das Schwert hängt stets über uns.
VOLTAIRE
ERSTER TEIL
1
Am 27. Januar um 22.35 Uhr war Malcolm Ainslie schon auf halbem Weg zur äußeren Tür des Morddezernats, als hinter ihm ein Telefon klingelte. Er blieb automatisch stehen und sah sich um. Später wünschte er sich, er hätte es nicht getan.
Detective Jorge Rodriguez trat rasch an einen unbesetzten Schreibtisch, nahm den Hörer ab, meldete sich, hörte kurz zu und rief: »Für Sie, Sergeant!«
Ainslie ging an seinen Schreibtisch zurück, um diesen Anruf entgegenzunehmen. Seine Bewegungen waren ruhig und flüssig. Mit einundvierzig war Detective-Sergeant Ainslie muskulös, etwas über einsachtzig groß und sah nicht viel anders aus als in der High-School, wo er Fullback in der Footballmannschaft gewesen war. Nur ein leichter Bauchansatz zeugte von häufigen Mahlzeiten in Schnellrestaurants: die Standardverpflegung für viele Kriminalbeamte, die praktisch im Gehen essen mußten.
Heute abend war es in den Büros der Mordkommission im vierten Stock des Hauptgebäudes des Miami Police Departments ruhig. Insgesamt arbeiteten hier sieben Ermittlerteams mit jeweils einem Sergeant als Leiter und drei Detectives. Aber alle Mitglieder des Teams, das diese Nacht Dienst hatte, waren unterwegs, um wegen der drei Morde zu ermitteln, die in den letzten Stunden gemeldet worden waren.
