Er dachte, wie dumm es doch war, mit kaum dreiundzwanzig Jahren zu sterben, ohne je eine Frau geliebt zu haben.

Die Hand ließ die Sehne zurückschnellen, der Pfeil durchschnitt die Luft, flog sirrend an seinem rechten Ohr vorbei und bohrte sich in den staubigen Boden hinter ihm.

Der Soldat spannte den Bogen abermals und zielte auf ihn.

Doch anstatt den Pfeil abzuschießen, starrte er Elia in die Augen.

»Ich bin der beste Bogenschütze in Ahabs Armee«, sagte er.

»Sieben Jahre habe ich kein einziges Ziel verfehlt.« Elia sah auf die Leiche des Leviten hinunter.

»Dieser Pfeil galt dir.« Der Soldat hatte den Bogen gespannt, und seine Hände zitterten. Elia war der einzige Prophet, der getötet werden mußte. Die anderen konnten zwischen Baal und dem Tod wählen.

»Dann vollende deine Arbeit.« Er wunderte sich, wie ruhig er war. Er hatte sich den Tod in den Nächten im Stall so oft ausgemalt und sah jetzt, daß er unnötig gelitten hatte. In wenigen Sekunden würde alles vorbei sein.

»Ich kann nicht«, sagte der Soldat, dessen Hände noch immer zitterten, während der Bogen sich hin und her bewegte. »Geh, verschwinde, denn ich glaube, daß Gott meine Pfeile umgeleitet hat und mich verfluchen wird, wenn es mir gelingt, dich zu töten.« Sowie Elia begriff, daß er dem Tod entronnen war, kehrte seine Todesangst zurück. Noch gab es die Möglichkeit, einmal das Meer zu sehen, eine Frau zu finden, Kinder zu haben, die Arbeiten in der Tischlerwerkstatt zu Ende zu führen.

»Töte mich bitte schnell«, sagte er. »Jetzt bin ich ruhig. Wenn du lange wartest, werde ich um alles leiden, was ich verlieren werde.« Der Soldat blickte um sich, um festzustellen, ob irgend jemand Zeuge dieser Szene geworden war. Dann senkte er den Bogen, steckte den Pfeil in den Köcher und verschwand um die Ecke.



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