Elia fühlte seine Beine unter ihm nachgeben. Plötzlich war die Angst wieder da. Er mußte aus Gilead verschwinden, um niemals mehr vor einem Soldaten stehen zu müssen, der mit seinem Pfeilbogen auf sein Herz zielte. Nicht er hatte sein Schicksal gewählt, er hatte Ahab nicht aufgesucht, um sich später vor den Nachbarn damit zu brüsten, daß er mit dem König sprechen durfte. Für das Massaker unter den Propheten war er nicht verantwortlich – und auch nicht dafür, daß an einem Nachmittag die Zeit stehengeblieben und sich seine Werkstatt in ein schwarzes Loch voller leuchtender Punkte verwandelt hatte.

Wie der Soldat schaute auch er um sich. Die Straße war menschenleer. Er überlegte noch, ob er das Leben des Leviten retten könnte, doch dann kam die Angst wieder in ihm hoch, und bevor noch irgend jemand kam, floh Elia.

Er wanderte viele Stunden, schlug Wege ein, die lange niemand gegangen war, bis er an das Ufer des Baches Krith gelangte. Er schämte sich seiner Feigheit, doch er war auch froh, noch zu leben.

Er trank ein wenig vom Wasser, setzte sich, und erst da wurde ihm seine Lage bewußt: Spätestens morgen müßte er etwas essen, doch in der Wüste würde er kaum Nahrung finden.

Er erinnerte sich an die Tischlerei, an die Arbeit so vieler Jahre und daß er dies alles aufgeben mußte. Mit einigen seiner Nachbarn war er befreundet, aber auf sie zählen konnte er trotzdem nicht. Die Nachricht von seiner Flucht würde sich in der Stadt wie ein Lauffeuer verbreiten und alle würden ihn dafür hassen, daß er entkommen war und die wahren Männer des Glaubens zu Märtyrern machte.

Alles, was er bisher getan hatte, war zerstört.



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