Über die Nieuwe Heerengracht brandete lärmend der Großstadtverkehr, die Schritte der vorübergehenden Menschen klapperten auf dem Asphalt.

Pieter van Brouken hörte es nicht.

Sein Schlaf war bleiern, abgrundtief, entführend ...

In ihrer engen Kochnische, die sich an die helle, geräumige Wohnküche anschloß, hantierte Antje van Brouken mit Tellern und Tassen. Sie spülte das Mittagsgeschirr und stellte das Kaffeegedeck für den erwarteten Pieter zurecht. In seinem hölzernen Lauf stall, der in einer Ecke der Küche stand, krähte der kleine Fietje und boxte im Freistil mit einem arg zerzausten, dicken, hellbraunen Teddybären.

Antje van Brouken war der Typ eines >lieben Frauchensc. Weder hübsch noch häßlich, weder schlank noch drall, weder klug noch dumm, aber peinlich sauber, anständig, mit einem goldenen Herzen und stolz auf ihre hausfraulichen Kenntnisse vertrat sie die Menge der stillen, unablässig arbeitenden Frauen.

Antjes Haare waren von einem unwahrscheinlichen Blond, und die Stupsnase gab dem alltäglichen Gesicht die Note einer Pfiffigkeit, von der Gebrauch zu machen sie nie in die Gelegenheit gekommen war.

Der kleine Fietje, der einen vollendeten Kinnhaken bei Teddy gelandet hatte, jauchzte auf und brüllte vor Freude. Lächelnd blickte Antje aus ihrer Kochnische und nickte dem Kleinen zu. In diesem Augenblick war sie die Schönste aller Frauen.

»Gleich kommt der Papi«, rief sie. »Sei schön brav und mach den Teddy nicht kaputt!«

Dann trocknete sie weiter die Teller ab und sang mit einem dünnen, hellen Stimmchen ein altes Volkslied, das die Fischer ihrer Heimat des Abends am rauchenden Ofen gröhlten.

Als sie fertig war, deckte sie für Pieter den Tisch, setzte Brot und Butter zurecht, schüttete frischen Malzkaffee auf und blickte auf die Uhr. Sie wunderte sich, daß die minuziöse Pünktlichkeit Pieters bereits um fünfeinhalb Minuten überschritten war, dann ging sie zum Fenster, setzte sich in einen alten Lehnstuhl und nahm ein Kopfkissen auf, dessen Inlett sie gerade flickte.



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