Fest packte ihn das Mädchen unter den Arm und führte ihn langsam Schritt für Schritt zu einer der weißgestrichenen Bänke. Es dauerte lange, ehe sie den kurzen Weg zurückgelegt hatten und sich Pieter van Brouken auf die Bank sinken ließ. Kalter Schweiß tropfte von seiner Stirn in den weißen, steif gestärkten Kragen.

»Haben Sie herzlichen Dank«, stammelte er und lehnte sich weit zurück. Doch da er sah, daß das Mädchen nicht ging, sondern sich nach Hilfe umsah, log er: »Es geht schon wesentlich besser. Der Druck ist schon wieder weg. Lassen Sie sich durch mich nicht aufhalten, mein Fräulein. Sicherlich wartet Ihr Bräutigam dort hinten an der Ecke. Und Männer warten nie gern ... Und nochmals besten Dank.«

Zögernd entfernte sich das Mädchen. Ab und zu blieb es stehen und blickte sich nach der Bank um. Endlich bog es um die Ecke der Heerengracht. Erleichtert atmete van Brouken auf. Nur keinen Skandal, dachte er, nur keinen Auflauf. Gerade jetzt nicht, wo ich befördert bin und mein Gehalt steigt. Antje soll sich freuen und von dem Anfall nichts erfahren, und zum Arzt wird auch einmal gegangen. Erst das Siedlerhäuschen an der Amstel, drei oder vier Zimmerchen mit einem Blick auf den Fluß und einer kleinen Spielwiese für Fietje. Vielleicht auch ein Obst- und Gemüsegärtchen hinten dran ... na ja, kommt Zeit, kommt Rat ...

Wenn dieser ekelhafte Druck im Hinterkopf nicht wäre! Und vor den Augen liegt noch immer der Schleier, die Glieder sind schwer wie Blei, und müde ist er, schrecklich müde.

Überarbeitung, dachte van Brouken, absolute Überarbeitung. Immer rechnen, immer diese Zahlen, zigtausend Gulden täglich ... und die Verantwortung ... das reibt auf.

Er schloß wieder die Augen und legte den schmerzenden Kopf seitlich auf die Rückenlehne der Bank.

Dann wußte er nichts mehr.

Er schlief. Mit langen, tiefen Atemzügen.



3 из 164