Für meine Eltern

Rose und Robert Gordon

-und für Lorraine




Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

Den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest,

Und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott, Und mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk; Allles hast du unter seine Füße getan ...

PSALM VIII

Erstes Buch. Am Anfang

Woodborough, Massachusetts, November 1964

1

Am Morgen seines fünfundvierzigsten Geburtstags, einem Wintermorgen, lag Rabbi Michael Kind allein in dem mächtigen Messingbett, in dem schon sein Großvater gelegen hatte, noch benommen vom Schlaf und unwillentlich schon das Lärmen im Ohr, das die Frau unten in der Küche verursachte.

Zum erstenmal seit Jahren hatte er von Isaac Rivkind geträumt. Als Michael noch sehr klein gewesen war, hatte der Alte ihn gelehrt, daß die Toten im Paradies es fühlen und sich freuen, wenn die Lebenden ihrer gedenken.

»Ich hab dich lieb, sejde«, sagte er.

Wäre der Küchenlärm unten nicht vorübergehend verstummt - Michael hätte nicht gemerkt, daß er laut gesprochen hatte. Mrs. Moscowitz hätte wohl nicht verstanden, daß ein Mann an der Schwelle der reiferen Jahre Trost finden könne im Gespräch mit einem, der seit nahezu dreißig Jahren tot ist.

Als er die Treppe hinunterkam und das Speisezimmer betrat, saß Rachel schon an dem altmodischen Eßtisch. Nach altem Familienbrauch hätte das Geburtstagsfrühstück durch die auf dem Tisch aufgebaute Glückwunschpost und kleine Geschenke würdig umrahmt sein sollen.



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