
An so vielen Orten versagt zu haben, gibt einem Rabbi, wenn schon sonst nichts, gute geographische Kenntnisse. Schuldbewußt sprang er auf und machte sich für seine Seelsorgegänge fertig.
Sein erster Besuch galt seiner Frau.
Das Areal des Woodborough State Hospital wurde von Fremden manchmal für ein College-Campus gehalten, aber wenn man etwa halben Weges an der langen gewundenen Fahrstraße Herman begegnete, konnte man nicht mehr im Zweifel darüber sein, wo man sich befand.
Michaels Zeit war an diesem Morgen sehr knapp bemessen, und Herman würde schon dafür sorgen, daß er für die letzte Fahrstrecke und das Einparken zehn Minuten brauchte statt einer. Herman trug Trichterhosen aus grobem Kattun, einen alten Überrock, eine Baseballmütze und wollene Ohrenschützer, die einmal weiß gewesen waren. In den Händen hielt er orangefarbene Ping-Pong-Schläger. Er schritt rückwärts, mit gespannter Aufmerksamkeit den Wagen dirigierend, im Bewußtsein seiner Verantwortung für das Leben des Rabbi und für ein teures Militärflugzeug. Vor zwanzig Jahren, im Krieg, war Herman Offizier auf einem Flugzeugträger gewesen, und dabei war er geblieben. Seit nunmehr vier Jahren erwartete er die Wagen auf dem Fahrweg zum Spital und gab den Fahrern Weisungen für ihre Landung auf dem Parkplatz. Er war lästig und rührend zugleich. Wie eilig es Michael auch haben mochte, immer spielte er die Rolle, die Hermans Krankheit ihm zuwies.
Seine Tätigkeit als Rabbiner des Krankenhauses beschäftigte Michael einen halben Tag pro Woche; jetzt pflegte er in seinem Büro zu arbeiten, bis ihm mitgeteilt wurde, daß Dan Bernstein, Leslies Psychiater, frei sei.
Aber diesmal wartete Dan schon auf ihn.
»Entschuldigen Sie meine Verspätung«, sagte Michael. »Immer vergesse ich, ein paar Minuten für Herman einzukalkulieren.« »Er ist lästig«, sagte der Psychiater. »Was werden Sie machen, wenn ihm eines Tages einfällt, Ihnen in letzter Minute keine Landeerlaubnis zu geben und Ihnen zu signalisieren, daß Sie ein paar Runden ziehen und von neuem anfliegen müssen?«
