
»So energisch zurückschieben, daß Sie meinen Kombi bis hinüber in die Verwaltung heulen hören.«
Dr. Bernstein setzte sich in den einzigen bequemen Sessel im Zimmer, streifte seine braunen Sandalen ab und bewegte die Zehen. Dann seufzte er und zündete sich eine Zigarette an. »Wie geht's meiner Frau?«
»Unverändert.«
Michael hatte sich bessere Nachricht erhofft. »Spricht sie?« »Sehr wenig.
Sie wartet.«
»Worauf?«
»Daß die Traurigkeit von ihr weicht«, sagte Dr. Bernstein und rieb seine Zehen mit den dicken, plumpen Fingern. »Irgend etwas ist so schwer für sie geworden, daß sie nicht damit fertig werden konnte, so hat sie sich in die Krankheit zurückgezogen. Das ist ein recht häufiger Vorgang. Wenn sie einige Einsicht gewonnen hat, wird sie wieder auftauchen und den Dingen ins Auge sehen und vergessen, was ihre Depression verursacht hat. Wir haben gehofft, Psychotherapie könnte ihr dazu verhelfen. Aber sie spricht nicht. Ich glaube, wir werden Ihre Frau jetzt schocken müssen.«
Michael spürte, wie ihm übel wurde.
Dr. Bernstein sah ihn an und knurrte mit unverhohlener Verachtung:
»Sie wollen Rabbiner in einer psychiatrischen Anstalt sein - und erschrecken vor einem Elektroschock?«
»Manchmal schlagen sie um sich und es gibt Knochenbrüche.«
»Das passiert seit Jahren nicht mehr, seit wir Spritzen haben, die den Muskel paralysieren. Heute ist das eine humane Therapie. Sie haben es doch oft genug gesehen, oder nicht?«
Er nickte. »Wird sie Nachwirkungen spüren?«
»Von der Schockbehandlung? Eine leichte Amnesie wahrscheinlich, teilweisen Erinnerungsverlust. Nichts Ernstes. Sie wird sich an alle wichtigen Dinge ihres Lebens erinnern. Nur Kleinigkeiten, unwichtiges Zeug wird sie vergessen haben.« »Was zum Beispiel?«
