
»Vielleicht den Titel eines Films, den sie kürzlich gesehen hat, oder den Namen des Hauptdarstellers. Oder die Adresse einer flüchtigen Bekannten. Aber das werden isolierte Vorfälle sein. Zum größten Teil wird ihr Gedächtnis erhalten bleiben.« »Können Sie es nicht noch eine Weile mit Psychotherapie versuchen, bevor Sie schocken?«
Dr. Bernstein gestattete sich den Luxus einer leichten Verärgerung.
»Aber sie spricht doch nicht! Wie wollen Sie Psychotherapie durchführen ohne Kommunikation? Ich habe keine Ahnung, was die wirkliche Ursache ihrer Depression ist. Können Sie mir einen Hinweis geben?«
»Sie wissen ja, daß sie Konvertitin ist. Aber sie hat sich schon seit langem völlig als Jüdin gefühlt.«
»Sonst irgendwelche Belastungen?«
»Wir sind oft übersiedelt, bevor wir hierher kamen. Manchmal war es recht schwierig.«
Dr. Bernstein entzündete eine neue Zigarette. »Übersiedeln alle Rabbiner so oft?«
Michael zuckte die Schultern. »Manche fangen in einem Tempel an und bleiben dort bis an ihr Lebensende. Andere wechseln häufig den Ort.
Die meisten Rabbiner haben kurzfristige Verträge. Wenn man zu unbequem wird, wenn der Rabbiner der empfindlichen Gemeinde zu nahe tritt - oder sie ihm - dann zieht er eben weiter.«
»Sie meinen, daß Sie deshalb so oft weitergezogen sind?« fragte Dr.
Bernstein in einem beiläufigen unpersönlichen Ton, in dem Michael intuitiv die Technik des Psychotherapeuten erkannte. »Sind Sie der Gemeinde zu nahe getreten - oder die Gemeinde Ihnen?«
Michael nahm eine Zigarette aus der Packung, die Dan auf der Schreibtischplatte liegengelassen hatte. Ärgerlich stellte er fest, daß seine Hand mit dem Streichholz leicht zitterte. »Wahrscheinlich beides«, sagte er.
Er fühlte sich unbehaglich unter dem direkten Blick dieser grauen Augen.
Der Psychiater steckte die Zigaretten ein. »Ich glaube, der Elektroschock gibt Ihrer Frau die beste Chance. Wir könnten es zunächst mit zwölf Schocks versuchen, dreimal die Woche. Ich habe großartige Resultate gesehen.«
