Die Buchstabengläubigkeit seiner Mutter, was Himmel und Hölle betraf, erstaunte ihn immer wieder. Ihre Streitgespräche mit seinem Vater fielen ihm ein, und er wusste, dass sie jetzt eine ganz besondere Pein zu durchleiden hatte, denn es war schon immer eine qualvolle Vorstellung für sie gewesen, dass ihr Gatte, der die Taufe verweigert hatte, im Paradies nicht auf sie warten werde.

Sie hob die Hand und zeigte zum offenen Fenster. »Da kommt jemand geritten.« Sie lauschte eine Weile und sagte dann bitter lächelnd: »Eine Frau hat Alden gefragt, ob der Doktor daheim ist. Ihr Mann liegt verletzt zu Hause. Alden hat ihr gesagt, dass der Doktor gestorben ist. >Der junge Doktor?< fragte sie. Und Alden sagte:

>Nein, der nicht, der ist da.<«

Auch Shaman fand das lustig, und sie war bereits zur Tür gegangen, wo Rob J.s Arzttasche an ihrem gewohnten Platz stand. Die gab sie jetzt ihrem Sohn. »Nimm den Wagen, er ist bereits angespannt! Ich fahr’ dann später zur Kirche.«

Die Frau war Liddy Geacher. Sie und ihr Mann Henry hatten während Shamans Abwesenheit den Hof der Buchanans gekauft. Shaman kannte den Weg gut, es waren nur wenige Meilen. Geacher war vom Heuboden gefallen. Er lag noch genau dort, wo er aufgeschlagen war, sein Atem ging flach und mühsam. Er stöhnte, als sie versuchten, ihn auszuziehen, und Shaman schnitt deshalb die Kleidung auf, achtete aber darauf, nur die Nähte aufzutrennen, damit Mrs. Geacher sie später wieder zusammennähen konnte. Blut war keins zu sehen, nur schwere Quetschungen, und der linke Knöchel war geschwollen. Shaman nahm das Stethoskop aus der Tasche seines Vaters. »Kommen Sie bitte her! Ich will, dass Sie mir sagen, was Sie hören«, sagte er zu der Frau und steckte ihr die Elfenbeinknöpfe ins Ohr. Sie riss die Augen auf, als er die Membran auf die Brust ihres Mannes drückte. Er ließ sie lange horchen, wobei er die Membranglocke mit der Linken hielt und mit den Fingerspitzen der Rechten dem Mann den Puls fühlte. »Bumm-bumm-bumm-bumm-bumm!« flüsterte sie. Shaman lächelte.



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