Henry Geachers Puls ging schnell, doch das war auch nicht verwunderlich. »Was hören Sie sonst noch? Lassen Sie sich Zeit!«

Sie horchte lange.

»Kein leises Knistern, als würde jemand trockenes Stroh zerdrücken?« Sie schüttelte den Kopf. »Bumm-bumm-bumm.« Gut. Dann hatte keine gebrochene Rippe einen Lungenflügel durchstoßen. Er nahm der Frau das Stethoskop wieder ab und tastete Geachers Körper Zoll für Zoll mit den Händen ab. Da er nichts hörte, musste er seine anderen Sinne sorgfältiger und aufmerksamer benutzen als andere Ärzte. Als er die Hände des Mannes hielt, nickte er zufrieden über das, was die Colesche Gabe ihm sagte. Geacher hatte Glück gehabt, ein Heuhaufen hatte seinen Sturz gedämpft. Er hatte sich die Rippen geprellt, aber Anzeichen für einen Bruch waren nirgends zu entdecken. Shaman vermutete, dass die fünfte und die achte Rippe angeknackst waren - und vielleicht auch die neunte. Als er Geacher den Brustkorb bandagierte, konnte der Farmer leichter atmen. Shaman schiente den Knöchel und holte dann eine Flasche mit dem Schmerzmittel seines Vaters aus der Tasche, vorwiegend Alkohol mit etwas Morphium und einigen Kräutern.

Einen Dollar für den Hausbesuch, fünfzig Cent für die Verbände, fünfzig Cent für das Medikament. Aber die Arbeit war noch nicht beendet. Die nächsten Nachbarn der Geachers waren die Reismans, ihr Hof lag zehn Reitminuten entfernt. Shaman fuhr hin und redete mit Tod Reisman und seinem Sohn Dave, die versprachen, auszuhelfen und dafür zu sorgen, dass auf der Geacher-Farm eine Woche lang alles weiterlief.

Shaman ließ sich auf dem Nachhauseweg Zeit und genoss den Frühling. Die schwarze Erde war zum Pflügen noch zu nass. Morgens hatte er gesehen, dass auf den Weiden bereits die ersten Blumen blühten, Veilchen und orange leuchtende Gelbwurz und rosafarbener Präriephlox, in wenigen Wochen würden größere Blüten die Ebenen mit ihrer Farbenpracht überziehen. Vergnügt atmete er den schweren, süßen Duft gedüngter Felder ein.



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