
Minuten vergingen, der Bär aber schien nichts Böses im Sinne zu haben. Er zerrte lediglich an Urfins Ärmel, tat dann den Rachen auf und sprach mit tiefer, heiserer Stimme:
»Herr! Es ist Zeit aufzustehen, du schläfst zu lange!«
Urfin war so verblüfft, daß er aus dem Bett fiel: Das Bärenfell, das früher an der Schwelle gelegen hatte, stand jetzt auf vier Tatzen vor seinem Bett und schüttelte den Kopf.
›Das Fell meines toten Bären ist lebendig geworden, es geht umher, es spricht… Wie ist das möglich? Hat vielleicht das verschüttete Pulver…?‹
Um sich Klarheit zu verschaffen, wandte sich Urfin an die Eule.
»Guam… Guamoko!«
Die Eule schwieg.
»Hör mal, du frecher Vogel!« brüllte der Tischler. »Ich hab mir die Zunge schon genug verrenkt mit deinem verfluchten Namen! Willst du nicht antworten, so jag ich dich fort! Kannst dir dann selber das Futter im Walde suchen!«
Da sagte die Eule versöhnend:
»Na schön, reg dich nicht auf. Meinetwegen nenn mich Guamoko, aber keine Silbe weniger. Was wolltest du mich fragen?«
»Ist die Lebenskraft der unbekannten Pflanze wirklich so groß, daß sogar ihr Pulver ein Fell lebendig machen kann?«
»Ja, du hast’s erraten. Von dieser Pflanze hat mir schon meine Urgroßmutter erzählt, Karitofilaxi, die Weiseste aller Eulen…«
»Schweig!« brüllte Urfin, »schließ die Klappe! Und du, Bärenfell, marsch auf deinen Platz! Ich will jetzt mal nachdenken!«
Das Fell trottete zur Schwelle und legte sich auf seinem alten Platz nieder.
»Wer hätte das für möglich gehalten?« brummte Urfin. Er setzte sich an den Tisch und stützte den Kopf mit dem wirren Haar in die Hände. »Ob mir das Pulver nutzen kann?«
Nach langem Grübeln entschied der ehrgeizige Tischler, daß es ihm nutzen könne.
Vorerst wollte er aber prüfen, wie groß die Kraft des lebenspendenden Pulvers sei. Auf dem Tisch stand ein ausgestopfter Papagei mit blauen, roten und grünen Federn. Urfin nahm etwas braunes Pulver und streute es über Kopf und Rücken des Vogels.
