
»Besonders, wenn man so viel spielt wie du. Und vor allem so schlecht.«
Der Mittelsmann warf dem Thaijungen einen bösen Blick zu. »Hast du wieder aus dem Nähkästchen geplaudert, Maurice? Ich werde später sehr streng zu dir sein. Du weißt ja, wie sehr du das magst.«
Wir schwatzten eine Weile, aber als er nicht einmal eine seiner nachgefärbten Brauen hob, als ich den Tower von London erwähnte, entschuldigte ich mich und ging weiter. Das nächste bekannte Gesicht lief geradezu mit Absicht in mich hinein. Leo Morn hätte gute Gesellschaft sein können, aber er ist immer auf Beute aus und schnorrt alle Leute an. Ich schwöre, er war kaum auf der Welt, da hat er seine Hebamme schon um eine Zigarette angeschnorrt. Leo ist groß, schlank, langhaarig, bleich und interessant. Er sieht aus, als spiele er in einem besonders düsteren Tim-Burton-Film die Hauptrolle. Ganz in Schwarz gekleidet, wirkt er so zerbrechlich, dass man fast erwartet, ein Windstoß würde ihn wegwehen. Aber es ist mit ihm wie mit vielen Leuten, die ich kenne, das Aussehen kann in die Irre führen. Leo Morn hat verborgene Stärken und ein Herz aus hartem Granit.
Er suchte nach Arbeit als Teilzeitmusiker in einer Band.
»Spielst du immer noch den Bass in dieser Punkfolk-Band?«, fragte ich.
Er grinste wölfisch. »Ja, klar. Ich habe da ein paar wirklich gute Gigs vor mir.«
»Und ihr müsst immer noch den Namen der Gruppe regelmäßig wechseln, damit ihr ein zweites Mal gebucht werdet?« Meine Stimme klang unschuldig.
Er zog eine Grimasse. »Wir sind unserer Zeit eben voraus! Im Moment nennen wir uns Angel's Son und haben Ende des Monats einen schnuckligen Gig im Moles in Bath. Komm vorbei, wenn du in der Gegend bist. Tu es, solange du kannst! Ich glaube nicht, dass wir lange da sein werden.«
»Ich will dich ja nicht beleidigen, Leo«, meinte ich. »Aber im Großen und Ganzen stecke ich mir lieber Grillspieße in die Ohren.«
