Ich mag es nicht, allzu viel Zeit in der Gesellschaft von Geheimdiensten zu verbringen, wenn ich Shaman bin. Die Tarnidentität ist unter anderem deshalb so nützlich, weil Shaman sich nie lange mit einer Sache oder einer Gruppierung gemeinmacht. Genau deshalb ist er überall willkommen. Shaman Bond ist ein Glücksspieler, ein Gauner, eine nützliche, zusätzliche Hand und verlässliche Verstärkung. Immer in der Szene, aber niemals mit der Absicht, in der ersten Liga zu spielen. Ein Mann, der vieles weiß und Leute kennt, aber bei dem man sich darauf verlassen kann, dass er seine Klappe hält. Und der ein wenig langweilig und dumm ist, wenn nötig, sodass keiner ihn zu genau kennenlernen will.

Die üblichen Leute machten sich miteinander bekannt. Ich lief in eine Hauptperson der Szene hinein: den berüchtigten Mittelsmann. Groß und elegant, trug er einen leuchtend grünen Kaftan und rauchte einen dünnen, schwarzen Zigarillo in einer Spitze aus Elfenbein. Er war einigermaßen hübsch, in einer etwas verlebten Art, mit glattem schwarzem Haar und mehr als nur einer Spur Kajal. Seine Fingernägel waren giftgrün lackiert. Zwei in knallrotes Leder gekleidete Thai-Teenager begleiteten ihn, sie hätten Bruder und Schwester oder etwas noch Verwandteres sein können. Der Mittelsmann kannte mich sowohl als Shaman Bond als auch als Eddie Drood, aber er wusste nicht, dass beide ein und dieselbe Person waren. Ich kannte eine Menge solcher Leute. Es hätte die Dinge sicher kompliziert, wenn ich ein komplizierter Mensch gewesen wäre.

»Shaman!«, rief der Mittelsmann und wedelte träge mit einer langen, feingliedrigen Hand. »Wie schön! Wieder für Madame Gelegenheit persönlich auf der Pirsch, was? Sind dir die Kredithaie wieder auf den Fersen? Wie lästig!«

»Du weißt ja, wie das ist«, erwiderte ich. »Das Leben ist teuer für die, die ein wenig Spaß haben wollen.«

»Oh, sicher, ich weiß, mein lieber Junge. Ich schwöre, das Geld diffundiert geradezu aus den Taschen, wenn ich nicht genau hinschaue.«



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