Er ging nicht auf mich zu, er war auf einmal da, direkt vor mir. Ich tat mein Bestes, weder zusammenzuzucken noch zurückzuweichen. So aus der Nähe war er noch verstörender. Es tat meinen Augen weh, ihn direkt anzusehen. Alles an ihm war falsch. Wie ein Kreis mit geraden Linien oder ein Raum mit zu vielen Winkeln. Er hatte Höhe und Breite und Tiefe und noch andere Dimensionen. Ich zitterte.

Seine Stimme explodierte in meinem Kopf, und ich schrie auf. Er war gleichzeitig Ton und Farben und betäubende Bilder. Der Abstrakte hatte sich über die Sprache hinaus zu etwas entwickelt, was sich vielleicht jenseits der Telepathie befand. Alles, was ich verstand, war, dass er jemanden oder etwas suchte, aber er konnte mir nicht verständlich machen, wen oder was. Blut schoss aus meinen Nasenlöchern und kam unter meinen Augenlidern hervorgequollen. Und dann, einfach so, war er wieder da, wo er gewesen war, und die einzige Person in meinem Kopf war ich selbst.

Ein Man in Black kam vorbei und reichte mir ein Papiertaschentuch. Ich nickte dankbar und wischte mir das Blut von den Wangen. Dann drückte ich es gegen meine Nase.

Alles in allem eine recht typische Begegnung mit dem Abstrakten. Die Droods haben bereits ein paar Anfragen erhalten, ihn auszuschalten; sogar aus mehr Gründen als nur des üblichen, extremen Vorurteils, dass er eben sehr irritierend wirkt. Wir ziehen das ernsthaft in Betracht, und sei es nur, weil es eine schöne Herausforderung wäre. Das Problem mit dem Abstrakten ist, dass er schon vom Prinzip her reiner und mächtiger ist als jeder andere und weit jenseits jeglichen menschlichen Verständnisses oder Manipulationsvermögens. Und wer will schon einen Gott, den man weder verstehen oder befriedigen kann und den es nicht die Bohne interessiert, ob man ihn anbetet oder nicht?

Ich sah auf das Taschentuch. Es war kein Blut darauf. Als ich über meine Wangen strich, war auch darauf kein Blut, auch nicht um meine Augen herum. Es trocknete auch keines in meinen Nasenlöchern. Typisch.



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