Bolitho ging noch einmal zum Admiral; aber dessen Befinden war kaum verändert. Er schien ruhig zu schlummern; sein runzliges Gesicht wirkte im Schlaf etwas entspannter.

An Deck wartete Keverne schon.»Gig längsseit, Sir. «Keverne blickte hoch zu der schlaffen Flagge.»Der Wind ist für die nächste Zeit gestorben, glaube ich.»

Bolitho knurrte. Es war, als wolle Keverne ihn warnen: daß er, sobald er von Bord ging, allein war und nicht damit rechnen konnte, daß ihm das Schiff zu Hilfe käme. Er verfluchte seine eigene Unsicherheit. Keverne hatte doch keine Ahnung, worum es ging; und überhaupt, was konnte er anderes tun? Zu warten, bis der Admiral kam, hieße nur, sich vor der Verantwortung zu drücken, die er freiwillig übernommen hatte.»Passen Sie gut auf das Schiff auf«, sagte er kurz und kletterte dann zu dem wartenden Boot hinunter.

Als sie am Kai waren, stieg er die Stufen hinauf, blieb stehen und schaute zurück. Da lag sein Schiff wie eingerahmt im blauen Wasser unter dem klaren Himmel, unzerstörbar, wie auf ewig. Eine Illusion, dachte er grimmig. Kein Schiff ist stärker als die Männer, die auf ihm dienen.

Kritisch sah Allday zu, wie der Bootsmannsmaat die Gig von den Steinen wegmanövrierte und sich zur Rückfahrt anschickte.»Was jetzt, Captain?»

«Zum Haus. Ich habe noch etwas zu erledigen, und wir brauchen zwei Pferde.»

Er faßte sich an die Brust und fühlte das Medaillon unter seinem Hemd. Cheney hatte es ihm geschenkt, es enthielt eine Locke ihres herrlichen braunen Haares. Er würde es zu Hause lassen. Was heute nacht auch geschah, keiner sollte mit seinen dreckigen Pfoten dieses Medaillon anfassen.

«Ein schöner Tag«, sprach er langsam weiter.»Schwer, dabei an Krieg und dergleichen zu denken.»

«Aye, Captain«, stimmte Allday zu,»ein Krug Bier und eine Frauenstimme, das wäre jetzt nicht schlecht.»

Aber nun hatte es Bolitho auf einmal eilig.»Na, dann los, Allday. Wenn der Ofen heiß ist, muß man Brot backen. Hat keinen Zweck, die Zeit mit Träumen zu vergeuden.»



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