Aber die Strafen waren furchtbar. Allein in einer Woche, in der die Auriga Patrouille vor Le Havre gefahren war, hatte der Kommandant insgesamt tausend Peitschenhiebe verhängt. Zwei Mann waren in dieser Woche zweimal ausgepeitscht worden; einer war daran gestorben.

Er klappte das Buch zu und sah hoch. Es gab dazu viele Fragen. Warum hatte der Erste Offizier nichts unternommen, um dieser Brutalität Einhalt zu gebieten? Aber das war natürlich Unsinn. Was hätte zum Beispiel Keverne dagegen tun können, wenn sein Kommandant solche Strafen verhängt hätte? Bei dieser Vorstellung stieg plötzliche Wut in Bolitho hoch. Er hatte oft genug bemerkt, wie die Leute ihn ansahen, wenn etwas nicht klappte. Und das kam gar nicht so selten vor, denn die Bedienung eines Linienschiffes war eine komplizierte, schwere Arbeit. Manchmal lag wildes Entsetzen in diesen Blicken, und das machte ihn jedesmal ganz krank. Der Kommandant, jeder Kommandant, kam gleich nach Gott, soweit es die Mannschaft betraf: ein höheres Wesen, das mit einer Hand Beförderungen und mit der anderen die schlimmsten Strafen austeilen konnte. Der Gedanke, daß manche, wie der Kommandant der Auriga, diese Macht mißbrauchten, war abscheulich.

Langsam sagte er:»Ich möchte an Bord kommen und mit Ihrem Kommandanten sprechen. «Ein paar Männer wollten gleichzeitig etwas sagen, aber er sprach weiter:»Ohne das kann ich nichts tun.»

Der Hauptdelegierte sagte:»Sie mögen ja die anderen eingewickelt haben, aber ich durchschaue Sie. «Zornig fuhr er mit der Hand durch die Luft.»Zuerst tun Sie, als ob Sie Mitgefühl mit uns haben, und dann liefern Sie uns an den Galgen, damit jeder Seemann sieht, was es einbringt, einem Offizier zu trauen!»

Allday fluchte und wollte aufspringen, sah aber Bolitho nur hilflos an, als dieser sagte:»Nur Ruhe, Allday! Wenn ein Mann denkt, es ist Zeitverschwendung, ein Unrecht gutzumachen, dann hat es keinen Sinn, mit ihm zu diskutieren.»



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