Der grauhaarige Sekretär des Admirals war damit beschäftigt, allerlei Papiere durchzusehen und sie in einem langen Metallbehälter zu verstauen. Er machte Miene aufzustehen, aber Bolitho schüttelte nur den Kopf und schritt langsam zur anderen Seite der Kajüte. Er hörte, wie sich der Admiral in seiner Schlafkammer nebenan bewegte, und konnte sich vorstellen, was ihm während dieser letzten Stunden an Bord seines Flaggschiffes durch den Kopf ging.

Am Schott hing ein Spiegel; Bolitho blieb einen Moment stehen, prüfte sein Aussehen und zog sich den Rock zurecht wie vor der Musterung durch einen kritischen Vorgesetzten.

Er konnte sich immer noch nicht an die neue Uniform-Mode gewöhnen, an die schweren Goldepauletten, die seinen Rang als Kapitän höherer Dienstalterstufe bezeichneten. Es kam ihm völlig verkehrt vor, daß in einem Land, welches sich im schwersten Krieg seiner Geschichte befand, neue Rangabzeichen entworfen und hergestellt wurden. Letzten Endes diente dergleichen doch nur dem persönlichen Schmuckbedürfnis; diese Leute hätten sich lieber etwas Neues auf dem Gebiet der Strategie und Taktik einfallen lassen sollen, fand er.

Er strich die rebellische Haarlocke aus der Stirn, die ihm immer wieder über das rechte Auge fiel. Unter ihr erstreckte sich bis in den Haaransatz hinein die grausame Narbe, die ihn nie vergessen ließ, daß er damals dem Tode so nahe gewesen war. Aber sein Haar war noch schwarz; nicht eine graue Strähne deutete an, daß er vierzig Jahre alt war, von denen er achtundzwanzig auf See verbracht hatte. Als er jetzt ein bißchen lächelte, wirkte sein Mund etwas weicher und verlieh seinen gebräunten Zügen den Ausdruck jugendlicher Unbekümmertheit. Er wandte sich von seinem Spiegelbild ab, wie man einen Untergebenen entläßt, mit dem man zufrieden ist.

Die Tür der Schlafkajüte öffnete sich, und der kleine Admiral schritt unsicher auf einen schwankenden Flecken Sonnenlicht zu.



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