
»Nun, liebe Collegen, nahm Herr Miguel nochmals das Wort in der guten Absicht, sie zu gegenseitigen Concessionen zu bestimmen, es genügte ja, die Augen auf diese Karte zu richten, um zu sehen, daß der Orinoco - er mag kommen, woher er will, vor allem aber, wenn er aus Osten kommt -einen herrlichen Bogen, einen regelmäßigen Halbkreis bildet, gegenüber dem unglückseligen Zickzack, in das ihn der Atabapo oder der Guaviare drängten.
- Was kommt es denn darauf an, ob sein Bett eine schön geschwungene Linie zeigt oder nicht? rief Herr Felipe.
- Wenn sie nur scharf gezeichnet ist und der Natur des Terrains entspricht!« setzte Herr Varinas dazu.
Thatsächlich war es wohl gleichgiltig, ob die Biegungen des Flußlaufes künstlerischen Anforderungen entsprachen oder nicht. Hier lag ja eine rein geographische und keine artistische Frage vor. Die Beweisführung des Herrn Miguel ging von falschen Grundsätzen aus. Er fühlte das recht wohl. Da kam ihm der Gedanke, das Gespräch auf ein andres Thema zu lenken, um ihm seine drohende Schärfe zu nehmen. Das konnte zwar auch nicht dazu dienen, zwischen den beiden Gegnern Uebereinstimmung herbeizuführen, vielleicht aber vereinten sie sich, wie zwei, von ihrer richtigen Spur abgekommene Hunde, zur Verfolgung eines dritten Ebers.
»Zugegeben, sagte also Herr Miguel, stehen wir davon ab, die Sache von dieser Seite aus anzusehen. Sie, Felipe, behaupten - und mit welcher Hartnäckigkeit! - daß der Atabapo, fern davon, nur einen Nebenfluß darzustellen, der Strom selbst sei.
- Das behaupte ich!
- Sie aber, Varinas, bleiben - und mit welcher Halsstarrigkeit! - dabei, daß dem Guaviare die Ehre zukommt, der eigentliche Orinoco zu sein
- Dabei bleib' ich!
- Ja, fuhr Herr Miguel fort, dessen Finger auf der Landkarte dem Laufe des umstrittenen Stromes folgte, warum könnten Sie sich denn nicht Beide täuschen?
