
- Alle Beide?. stieß Herr Felipe hervor.
- Nur Einer von uns irrt, erklärte Herr Varinas; ich. ich bin das aber nicht!
- Lassen Sie mich nur ausreden, sagte Herr Miguel ruhig, und antworten Sie erst, wenn Sie mich angehört haben. Es giebt doch außer dem Guaviare und dem Atabapo noch andre Nebenflüsse, die ihre Fluthen in den Orinoco ergießen, Zuflüsse, die sich ebenso durch ihren langen Lauf wie durch großen Wasserreichthum auszeichnen. Solche sind z.B. der
Caura in seinem nördlichen Theile, der Apure und der Meta in seinem westlichen, und der Cassiquiare nebst dem Iquapo in seinem südlichen Theile. Sehen Sie diese wohl hier auf der Karte?. Ich frage Sie nun, warum könnte einer derselben nicht weit eher der Orinoco selbst sein, als Ihr Guaviare, lieber Varinas, und als Ihr Atabapo, lieber Felipe?«
Es war zum ersten Male, daß eine solche Anschauung zutage trat, und es wird niemand verwundern, daß die beiden Widersacher anfangs still und stumm blieben, als sie dieselbe aussprechen hörten. Die Frage sollte sich also nicht ausschließlich um den Atabapo und den Guaviare drehen?. Nach der Aussage ihres Collegen könnten noch andre Prätendenten auftreten?
»O, ich bitte Sie! rief Herr Varinas, davon kann nicht ernstlich die Rede sein, und Sie sprechen auch selbst nicht im Ernst, Herr Miguel.
- Im Gegentheil, ganz ernsthaft. Ich finde es ganz natürlich, logisch und folglich annehmbar, daß auch andre Flußläufe sich um die Ehre, der wirkliche, eigentliche Orinoco zu sein, bewerben könnten.
- Sie scherzen nur! versetzte Herr Felipe.
- Ich scherze nie, wenn es sich um geographische Fragen handelt, antwortete Herr Miguel ernsthafter. Am rechten Ufer des Oberlaufs giebt es den Padamo.
- Ihr Padamo ist gegenüber meinem Guaviare nur ein Bächlein, fiel Herr Varinas ein.
- Nun sagen wir: ein Bach, den die Geographen für ebenso bedeutend halten, wie den Orinoco, erwiderte Herr Miguel. Auf der linken Seite giebt es den Cassiquiare.
