Im Hof übten die Bogenschützen ihre Kunst zu den Befehlen» Auflegen, spannen, Schuß«. Auf den Wehrgängen patrouillierten Wachen und spähten zwischen den dämonischen Steinfiguren hinaus auf das Heer, das draußen lagerte. In der Morgenluft hing der Rauch der Feuer, an denen das Frühstück bereitet wurde, auf das dreitausend Männer unter den Bannern ihrer Lords warteten. Jenseits davon war der Ankerplatz auf dem Meer mit Schiffen überfüllt. Keines der Schiffe, die im letzten halben Jahre in Sichtweite von Dragonstone gelangt waren, hatte die Erlaubnis erhalten, wieder abzulegen. Lord Stannis' Zorn, eine Kriegsgaleere mit drei Decks und dreihundert Rudern, wirkte fast klein zwischen den großbäuchigen Galeonen und Koggen um sie herum.

Die Wachen von der Steintrommel erkannten den Maester und ließen die kleine Gesellschaft ein. Drinnen sagte Cressen zu Pylos:»Wartet hier. Am besten gehe ich allein zu ihm.«

«Es sind viele Stufen, Maester.«

Cressen lächelte.»Glaubt Ihr, das hätte ich vergessen? Diese Treppe bin ich schon so oft hinaufgestiegen, daß ich den Namen jeder einzelnen Stufe kenne.«

Auf halbem Wege bedauerte er seine Entscheidung. Er mußte anhalten, um Atem zu schöpfen und den Schmerz seiner Hüfte zu lindern. Da hörte er Stiefeltritte, und Ser Davos Seaworth kam ihm von oben entgegen.

Davos war ein schmächtiger Mann, dem die niedere Geburt deutlich ins einfache Gesicht geschrieben stand. Er hatte einen zerschlissenen grünen Umhang, der von Salz und Gischt befleckt und von der Sonne ausgeblichen war, um die schmalen Schultern geworfen, darunter trug er ein braunes Wams und eine braune Hose, die der Farbe seiner Augen und seiner Haare entsprachen. An einem Riemen um seinen Hals hing ein abgewetzter Lederbeutel. Sein kleiner Bart war von Grau durchzogen, und die verstümmelte linke Hand hatte er in einem Lederhandschuh verborgen. Als er Cressen bemerkte, blieb er stehen.



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