»Ja. Er erwähnte den Marshschen Test für Arsen. Er sagte, Sie wüßten alles darüber, es läge auf Ihrer Linie - und kicherte dabei. Er würde das nicht gesagt haben, wenn er auch nur einen Augenblick vermutet hätte -« Evans unterbrach ihn.

»Sie meinen, er hätte es nicht gesagt, wenn er etwas wüßte. Wie lange sind doch die beiden jetzt verheiratet, sagen Sie? Sechs Jahre? Ich gehe jede Wette ein, daß er keine Ahnung hat, daß seine Frau einst die berüchtigte Mrs. Anthony war.«

»Und er wird es von mir gewiß nicht erfahren«, sagte Haydock mit Nachdruck.

Evans kümmerte sich nicht um ihn, sondern fuhr fort: »Sie haben mich gerade unterbrochen. Im Anschluß an den Marshschen Test erhitzte Merrowdene eine Substanz in einem Reagenzglas, den metallischen Rückstand löste er in

Wasser und präzipitierte ihn durch Beifügung von Silbernitrat. Das war eine Probe auf Chlorate. Ein kleiner, bescheidener, hübscher Test. Aber ich konnte zufällig die Worte in einem Buch lesen, das offen auf dem Tisch lag: >H2SO4 zersetzt Chlorate durch Entwicklung von Cl4O2. Erhitzt man es, entstehen starke Explosionen. Die Mixtur sollte daher kühl gehalten und nur in kleinsten Mengen verwendet werden.««

Haydock starrte seinen Freund verständnislos an.

»Ja, und?«

»Nichts weiter. In meinem Beruf macht man auch Tests. Tests für Morde. Man zählt die Tatsachen zusammen, wägt sie ab, zerlegt den Rest, nachdem man Voreingenommenheit und durchschnittliche Ungenauigkeit von Zeugen berücksichtigt hat. Aber es gibt einen anderen Test für Mord, einen, der ziemlich genau ist, aber auch ziemlich gefährlich. Ein Mörder gibt sich selten mit einem Verbrechen zufrieden. Läßt man ihm Zeit, und fühlt er sich unbeobachtet, wird er einen neuen verüben. Man fängt einen Mann, den man des Mordes an seiner Frau verdächtigt. Vielleicht sähe der Fall gar nicht so schwarz für ihn aus. Dann schaut man sich seine Vergangenheit an. Findet man heraus, daß er schon öfter verheiratet war und daß alle seine Frauen starben, dann sagt man sich, recht eigenartig, nicht wahr? Dann weiß man es. Nicht juristisch, verstehen Sie? Ich spreche von einer inneren Gewißheit. Wenn man die hat, kann man anfangen, nach Beweisen zu suchen.«



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