Ein Polizist trat heran.»Frau Dorn?«

«Ja«, sagte Leona.

«Sie können jetzt erst einmal nach Hause gehen. Ich brauche nur Ihre Personalien, damit wir uns noch einmal an Sie wenden können. Es kann sein, wir brauchen noch einmal eine detaillierte Aussage von Ihnen.«

«Ich habe wirklich nichts gesehen. Erst als sie aufschlug…«

«Vielleicht fällt Ihnen ja doch noch etwas ein. Wir melden uns bei Ihnen.«

Sie nannte ihm Adresse und Telefonnummer, die private und die ihres Büros, und er notierte sich alles auf einem dicken Block. Leona gab ihre Telefonnummer auch an Eva Fabianis Freundin weiter mit der Bitte, sie zu benachrichtigen, wenn sie etwas über den Zustand der Frau erführe.

Der Kaffee hatte sie gestärkt. Sie fühlte sich etwas besser. Sie ging in den Verlag, setzte sich hinter ihren Schreibtisch und schaffte es tatsächlich noch, einen ganzen Berg Arbeit abzutragen.

Um fünf Uhr rief die Nachbarin an. Eva Fabiani war trotz intensiver Bemühungen der Ärzte im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen.

Wie oft hatte sie seither jenen Traum gehabt? Nicht jede Nacht, aber fast jede zweite. Die Frau, die durch die Luft flog. Das häßliche Geräusch, mit dem der Körper auf den Asphalt klatschte. Der Ausdruck des Gesichts, die Augen, die plötzlich wegzuschwimmen schienen. In beinahe jedem Traum tauchte auch ein Polizist auf, überlebensgroß, der sich zu ihr hinunterbeugte. Er kam ihr so nahe, daß sie meinte, zurückweichen zu müssen, und es doch nicht konnte.

«Haben Sie etwas beobachtet?«fragte er.»Haben Sie etwas beobachtet? Haben Sie etwas beobachtet? Haben Sie…?«Er wiederholte die Frage in immer schnellerem Tempo, in zackigem Stakkato. Sie kam nicht dazu, ihm zu sagen, daß sie nichts gesehen hatte. Er schien es auch gar nicht hören zu wollen. Er schoß nur seine Fragen ab und schien ihre verzweifelten Anstrengungen, ihm zu antworten, gar nicht zu bemerken.



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