«Nein.«

«Was dann? Zur Oma fahren?«

«Um Gottes willen!«

«Wenn du nicht zu Hause bleiben und nicht zur Oma fahren willst, dann weiß ich nicht, was dir vorschwebt.«

«Ich möchte mal an die Nordsee.«

Paul Fabricis Zeitung sank ganz herunter auf den Tisch.

«Kind«, sagte er väterlich,»was soll denn der Unsinn? Du weißt doch ganz genau, daß wir in Millstadt schon Zimmer gebucht haben. Erwartest du etwa, daß wir das rückgängig machen?«

«Nein.«

«Was heißt nein? Wenn du dabei bleibst, an die Nordsee zu wollen, müssen wir Kärnten sausen lassen.«

Paul Fabrici blickte immer noch nicht durch. Das geschah aber nun, als Karin erwiderte:»Keineswegs. Ihr beide fahrt nach Mill-stadt und ich auf eine Nordseeinsel.«

«Allein?«Mehr konnte Vater Fabrici in seiner Fassungslosigkeit nicht hervorstoßen.

«Ja, allein.«

Fabrici sah seine Tochter absolut ungläubig an, dann wanderte sein Blick zu Mimmi Fabrici, Karins Mutter.

«Hast du das gehört?«fragte er sie.

«Was?«

Mimmi las in jenen Tagen Die Dämonen< von Dostojewski. Das ging über ihre Kräfte. Außerordentlich ermüdet sank sie abends ins Bett, fand nur unruhigen Schlaf und erhob sich morgens in einem entsprechenden Zustand aus ihren Federn. Ein Psychiater hätte sie >als sehr gestört in ihrer Konzentrationsfähigkeit bezeichnen müssen. Zur Teilnahme an Gesprächen am Frühstückstisch benötigte sie einen Anlauf.

Paul Fabrici mußte sich wiederholen.

«Ob du das gehört hast, frage ich dich.«

«Ob ich was gehört habe?«

«Was Karin sagte.«

«Was hat sie denn gesagt?«

Paul Fabrici lief rot an.

«Himmel Herrgott!«begann er.»Wo bist du denn wieder mit deinen Gedanken?«

«Bei Dostojewski«, entgegnete Mimmi würdevoll. Das Mitleid, das sie dabei für ihren Gatten empfand, war weder zu überhören noch in ihrer Miene zu übersehen.



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