Jupp bohrt versonnen in der Nase.»Menschenskind, Schaufenster

— und Cafes — und Weiber.«

«Ach, Mann, sei froh, wenn du zuerst mal aus der Scheiße hier raus bist«, sage ich und blase in meine kalten Hände.

«Hast recht. «Jupp zieht die Zeltbahn über seine mageren, krummen Schultern.»Was machst du denn, wenn du hier weg bist?«

Ich lache.»Ich? Ich werde wohl wieder zur Schule müssen. Ich und Willy und Albert — und sogar Ludwig drüben auch. «Damit zeige ich rückwärts, wo jemand vor einem zerschossenen Unterstand liegt, mit zwei Mänteln zugedeckt.

«Ach, verflucht! Aber das werdet ihr doch nicht machen?«meint Jupp.

«Weiß ich nicht. Werden wir wohl müssen«, antworte ich und werde wütend, ohne zu wissen warum.

Unter den Mänteln regt es sich. Ein blasses, schmales Gesicht hebt sich hoch und stöhnt leise. Dort liegt mein Mitschüler, der Leutnant Ludwig Breyer, unser Zugführer. Seit Wochen hat er blutigen Durchfall, es ist zweifellos Ruhr, aber er will nicht zurück ins Lazarett. Er will lieber hier bei uns bleiben, denn wir warten alle darauf, daß es Frieden gibt, und dann können wir ihn gleich mitnehmen. Die Lazarette sind übervoll, niemand kümmert sich da recht um einen, und wenn man erst auf so einem Bett liegt, ist man gleich schon ein Stück mehr tot. Rundum krepieren die Leute, das steckt an, wenn man allein dazwischen ist, und ehe man sich's versieht, ist man dabei. Max Weil, unser Sanitäter, hat Breyer eine Art flüssigen Gips besorgt, den frißt er, damit die Därme auszementiert werden und wieder Halt kriegen. Trotzdem läßt er den Tag so zwanzig-, dreißigmal die Hosen herunter.

Auch jetzt muß er wieder nebenan. Ich helfe ihm um die Ecke, und er hockt sich nieder.



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