Immerhin erhielt Max eine zweite Chance, die Frau zu treffen, die Anstalten machte, Kurt über Weihnachten zu übernehmen. Auch wenn wenig Hoffnung bestand, dass daraus tatsächlich etwas werden könnte, durfte Max die Chance nicht auslassen. Denn er hatte zwar genügend Freunde zum »täglich Pferdestehlen«, aber keine zum Kurt- zweimal-täglich-ins-Freie-Schleifen. Seine Eltern flogen, wie jedes Jahr, über die Feiertage zu den Großeltern nach Helsinki. Die lebten dort, weil es vom Wetter her auch schon egal war. Sie hätten Helsinki jedenfalls nie verlassen, um Weihnachten in Wien zu feiern, nicht wegen der Eltern, nicht wegen Max und schon gar nicht wegen Kurt, den sie nur aus Erzählungen kannten. (Eigentlich nur aus einer Erzählung: Er bewegte sich nicht.)

Max hatte keine Geschwister. Max hatte niemanden, der ihm einen Gefallen schuldig gewesen wäre (außer Kurt). Tierheime schieden aus, dort würde Kurt einschlafen und nicht mehr aufwachen. (Warum schieden Tierheime eigentlich aus?) Und per Internet hatte sich ebenfalls keine weitere Möglichkeit auf getan, den Hund anzubringen. Die Leute wollten einzig wissen, warum Kurt Kurt hieß und ob das etwas mit Kurt aus dem legendären »In den Wind gesabbert« in »Horizonte« zu tun hatte.

Noch am Vorabend hatte sich Max mit einer romanverdächtig ausführlichen E-Mail für den geplatzten Termin entschuldigt. »Sie müssen wissen«, hat er der Interessentin geschrieben, »Kurt ist ein eher bequemer Hund. Es gibt Stunden, da geht er nicht gern ins Freie. Gestern Mittag war eine dieser Stunden. Und wenn er nicht gern ins Freie geht, dann geht er nicht ins Freie.



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