
Logisch, ein Kind, das so zur Welt kam, blieb erstens geschwisterlos (selbst ein gezieltes Osterbaby hätte da nicht mithalten können) und zweitens ein ewiges Wunschkind. Die liebenden SchulmeisterHofmeisters wünschten sich von Katrin (zum Teil erst im Nachhinein, als es schon eingetroffen war) lange schwarze Haare, große grüne Augen, schöne weiße Zähne, kein Geschrei im Kindergarten, lauter Einser in der Volksschule, keine Pubertät (keine Wimmerln, keinen Poster von Tom Cruise, kein Backstage bei AC/DC und keinen privaten Bongo-Kurs bei »Jim« aus Jamaika, der wusste, worauf es im Leben ankam, auf die Freiheit). Mehr noch: keinen Zungenkuss vor 14, keine Präservativdiskussionen vor 16, keine Schwangerschaft vor 18, ja im Gegenteil: die Matura, möglichst mit Auszeichnung, möglichst mit links. Dann ein Studium, möglichst Medizin. Hier trotzte Katrin erstmals und studierte Maschinenbau, das war aber nur ein Scherz, deshalb brach sie das Studium nach einem halben Semester des Staunens und Bestauntwerdens ab und wurde medizinischtechnische Assistentin der Augenheilkunde. Die Eltern waren glücklich und rehabilitiert. Augen gehörten ja auch irgendwie zur Medizin.
Und nun fehlte praktisch nur noch der Eine, der Schwiegersohn, der Mann für immer, ein fescher, kluger, aus gutem Hause mit gutem Geld, gutem Geschmack und guten Umgangsformen, ein richtiger (»Frau Schulmeister-Hofmeister, ich darf doch Mama sagen, Sie machen den besten Kaffee der«) WeltMann.
