Und das war die Tragödie aus der Sicht der Schulmeister-Hofmeisters: Diesen Mann gab es nicht. Er war weder eingezogen noch eingetroffen noch eingetreten. Katrin stand unmittelbar davor, dreißig Jahre alt zu werden und ... nein, man durfte es gar nicht laut denken. Man durfte es niemals aussprechen. Man durfte es dem Goldschatz auch ja nie anmerken lassen. Man durfte es nur ausnahmsweise einmal lautlos hier in dieses Buch hineinschreiben: Katrin - näherte - sich - dem - 30er - und - hatte - keinen - Mann! Demnach auch kein Kind, keine Familie, kein Reihenhaus mit Garten, kein Gemüsebeet, keinen Schnittlauch, kein Garnichts.

Draußen schneite es wie gesagt nicht. Drinnen surfte Katrin im Internet und klickte »Weihnachten« an, weil sie gerade daran gedacht hatte, indem sie nur ja nicht daran denken wollte. Da dumpten sich Reisebüros mit Last-Minute-Fluchtmöglichkeiten an die von Weihnachten entferntesten Strände der Welt nieder. Da rieselte der Reisig aus den offerten der Basare. Da duellierten sich die Krippen-Aussteller: Holz gegen Naturholz gegen Strohdach gegen Perlmutthirten. Da ließ die Gastronomie ihre fetten Gänse aufmarschieren und flehte um rechtzeitige Reservierung. Und da - hoppla. Was wollte der Typ? Seinen Hund anbringen? - Katrin hatte eine Idee.

3. Dezember

Max mochte Montage. Sie begannen gleich in der Früh. Sie kamen zur Sache. Sie forderten heraus. Sie gaben Max das Gefühl, dabei zu sein. Kein Montag ohne Max. Die Sonntage schienen auf ihn verzichten zu können. Die Montage freuten sich auf ihn. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Max war weite Strecken dieses Tages erfrischend geschäftlich unterwegs. Es war ein Tag, an dem sogar die Sonne geschienen hätte, wäre nicht eine dichte Nebelwand darunter eingeklemmt gewesen, die sich laut Prognose nur »zögernd auflösen« würde, das bedeutete etwa gegen Mitternacht.



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