Max entdeckte ihn bei einem Pressetermin der Suchtgiftfahnder. Sie präsentierten ihre neuen Waffen im Kampf gegen die südostkolumbianische Drogenmafia. Kurt wurde mitgenommen, um den Medienvertretern zu zeigen, wie ein Hund aussieht, der auf Kokain anspricht. Kurt legte gleichzeitig seine Vorder- und Hinterbeine über Kreuz und bog den Körper wie eine zu leicht gespannte Hängematte zu Boden. Dazu drehte er den Kopf in kleinen konzentrischen Kreisen, als würde er die Nackenmuskulatur trainieren. Sein Maul war weit aufgerissen, die Zunge hing S-förmig heraus, die Augen waren geschlossen. »Er schläft gerade«, meinte der verantwortliche Beamte ernst wie ein Chirurg, um der verheerenden Wirkung von Kokain ein neues erschütterndes Zeugnis auszustellen.

Als Kurt gleich darauf drehpirouettenartig erwachte, als sich die Hälfte seines verknautschten Gesichtes als geöffnete Augen entpuppte, in denen dicke, kaffeebraune Glaswürfel tanzten, und als seine Abertausenden Deutsch-Drahthaare wie unter Strom in alle Richtungen drifteten, wusste Max, dass er ihn haben musste, um über ihn zu schreiben.

Da Kurt ohnehin nur ein Vorzeigemodell und aufgrund des hohen Alters (zwölf Jahre) bereits ein Auslaufmodell war und mit Drogen in Wirklichkeit überhaupt nichts am Hut hatte, erklärte sich die Polizeidirektion nach Wochen des Bettelns und aus Angst vor einer negativen Presse bereit, Kurt an den lästigen Journalisten abzutreten.

In den folgenden Wochen schlief Max zwar nachts nicht, sondern öffnete lieber Wildbeuschel-Dosen und suchte das Balli, um den röhrenden Fremdkörper aus dem Bett zu bekommen, wo dieser für den Olympischen Hundezehnkampf zu trainieren schien. Aber seine Kolumne »In den Wind gesabbert« machte ihn nach nur drei Folgen zum »Horizonte«- Star - und Kurt zum berühmtesten Hund des Landes, noch vor Hofburg-Bullterrier »Ferstl«, jenem des neuen Bundespräsidenten.



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