
Und was noch viel wichtiger ist: Leser wollen unterhalten werden. Und zwar gut. Am besten köstlich. Und bitte ohne Kindergeschrei, das hat man ohnehin daheim (oder braucht es selbst dort nicht). So begann die goldene Ära der Hundegeschichten. Ein Journalist hatte damit angefangen, in einer wöchentlichen Kolumne seinen rosaweißen Zwergpudel Rüdiger zu porträtieren. Tausende Leser wurden süchtig, die Gehsteige und Promenadenwege waren bald voll von rosaweißen Zwergpudeln namens Rüdiger. Eine Rasse, die wegen chronischer Hässlichkeit bereits auszusterben drohte, schüttete unter entzückten Passantenblicken plötzlich die städtischen Laternenmaste zu und düngte Hunderte Hektar Grünland.
Chefredakteure, die nicht schliefen, reagierten sofort. Bald gab es in jeder namhaften Gazette eine prominent platzierte Hundekolumne, zumeist gleich neben dem politischen Leitartikel, um diesen ein wenig aufzulockern. Jede war ein bisschen anders angelegt. Großer Hund, kleiner Hund. Altes Herrl, junges Fraul. Herrl beschreibt Hund. Hund beschreibt Herrl (wobei Herrl für Hund Schreibarbeit verrichtet, da Hund Computer höchstens abschleckt). Fraul spricht wie Hund. Hund studiert Sexualverhalten von Fraul. Beide ziehen über Männer her. Und so weiter.
Das war der Zeitpunkt, als Max, 32, gewerbsmäßiger Studienabbrecher und frisch angelernter Polizeireporter bei der auflagenstarken liberalkonservativen Tageszeitung »Horizonte«, seine große Chance erkannte und nützte. Er mochte zwar keine Hunde. Aber er kaufte Kurt. Denn er sah die Marktlücke: Im Autoren-Rudel der Rüden und Weiberl fehlte ein Tier mit artistischer Begabung, ein begnadeter Hundekörper, der Kunststücke zu Wege bringen konnte, die zu beschreiben Millionen Lesern organisierte Tränenströme in die Augen triebe. Es war Kurt.
