Die Scheuche hatte ein komisches und gutmütiges Aussehen.

Elli betrachtete aufmerksam das bemalte Gesicht und staunte nicht wenig, als ihr plötzlich

das rechte Auge zublinzelte. Zunächst dachte sie, es sei eine Täuschung, denn in Kansas blinzelten die Vogelscheuchen nicht. Als ihr aber der Strohmann freundlich zunickte, erschrak sie, und der tapfere Totoschka sprang bellend am Zaun hoch, hinter dem die Scheuche stand.

«Guten Tag», sagte diese mit heiserer Stimme.

«Du sprichst?» wunderte sich Elli.

«Ja. Ich habe es gelernt, als ich mich mit einer Krähe zankte. Wie geht es dir?»

«Danke, gut! Sag, lieber Mann, hast du einen sehnlichen Wunsch?»

«O ja! Ich hab eine Menge Wünsche!» Die Scheuche begann hastig ihre Wünsche aufzuzählen: «Erstens brauche ich silberne Schellen für meinen Hut, zweitens neue Stiefel, drittens…»

«Oh, das reicht vollauf», unterbrach ihn Elli. «Aber was ist dein sehnlichster Wunsch?»

«Der sehnlichste?» Der Strohmann dachte einen Augenblick nach. «Nimm mich herunter. Es ist schrecklich langweilig, Tag und Nacht hier zu stehen und die widerlichen Krähen zu verscheuchen, die, nebenbei gesagt, gar keine Angst vor mir haben!»

«Kannst du denn selber nicht heruntersteigen?»

«Nein. Man hat mich auf den Pfahl aufgespießt. Zieh ihn doch aus mir heraus, ich werde dir sehr dankbar sein!»

Elli bog den Pfahl um, faßte den Strohmann mit beiden Händen und hob ihn ab.

«Besten Dank!» stieß er hervor, als er auf der Erde stand. «Ich fühle mich wie neugeboren. Wenn ich jetzt noch silberne Schellen für meinen Hut und ein Paar neue Stiefel

bekäme…»

Der Strohmann zupfte sorgfältig seine Jacke zurecht, klopfte das Stroh von den Kleidern ab, machte einen Knicks und stellte sich vor:



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