«Merkwürdig, sehr merkwürdig!» Die Alte schüttelte den Kopf. «Ich will dir sagen, warum ich mich so wundere. Ich hörte nämlich, daß die böse Hexe Gingema in ihrem Wahnsinn das Menschengeschlecht vernichten und die Erde mit Ratten und Schlangen bevölkern wollte. Ich mußte meine ganze Zauberkunst aufbieten…»

«Wieso, gnädige Frau!» rief Elli erschauernd. «Ihr seid eine Zauberin? Aber Mutter hat doch gesagt, daß es keine Zauberer mehr gibt?!»

«Wo lebt deine Mutter denn?»

«In Kansas.»

«Ich hab diesen Namen noch nie gehört», erwiderte die Zauberin. «Aber, was deine Mutter auch sagen mag, hier, in diesem Lande, leben Zauberer und weise Männer. Früher gab es hier vier Zauberinnen. Zwei von uns, die Zauberin des Gelben Landes, Willina (das bin ich), und die des Rosa Landes, Stella, sind gütig. Die Zauberin des Blauen Landes, Gingema, und die des Violetten Landes, Bastinda, sind böse Hexen. Gingema ist von deinem Häuschen zerdrückt worden, und jetzt gibt es nur noch eine böse Zauberin in unserem Land.»

Elli traute ihren Ohren nicht. Wie sollte sie, ein kleines Mädchen, das in seinem Leben nicht einmal einen Spatz getötet hatte, eine böse Hexe vernichtet haben?!

«Sie irren sich, ich habe niemanden getötet», sagte sie.

«Ich beschuldige dich ja gar nicht», erwiderte ruhig die Zauberin. «Um die Menschen zu retten, nahm ich dem Sturm seine verheerende Kraft und gestattete ihm nur, ein einziges

Häuschen zu erfassen und die tückische Gingema damit zu erschlagen. Ich hatte in meinem Zauberbuch gelesen, daß dieses Häuschen bei Gewitter immer leer steht…»

Elli sagte verwirrt:

«Das stimmt, gnädige Frau. Wenn ein Gewitter ausbricht, verstecken wir uns im Keller. Damals aber lief ich meinem Hündchen ins Haus nach…»

«Eine so unüberlegte Handlung konnte mein Zauberbuch natürlich nicht voraussehen», meinte Willina betrübt. «Also ist dieses kleine Tier an allem schuld…»



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