
Das ist doch Unsinn, dachte Diane. Wieso mache ich das? Doch sie wusste, warum sie es tat. Sie wollte fragen, wie es mit ihr und Richard weiterging. Das ist doch bloß aus Spaß, sagte sie sich.
Diane sah zu, wie die alte Frau die Tarotkarten nahm und mischte, ohne auch nur einmal aufzublicken.
»Ich möchte gern wissen, ob .« »Schscht.« Die Frau deckte eine Karte auf. Es war der Narr in seinem kunterbunten Kostüm, mit einem Ranzen auf dem Rücken. Die Frau musterte die Karte einen Moment lang. »Viele Geheimnisse, die Sie müssen erfahren.« Sie deckte eine weitere Karte auf. »Das ist der Mond. Sie haben Wünsche, Sehnsüchte, aber Sie auch unsicher.«
Diane zögerte, dann nickte sie.
»Geht es um Mann?«
»Ja.«
Die Alte deckte die nächste Karte auf. »Das sind die Liebenden.«
Diane lächelte. »Ist das ein gutes Omen?«
»Wir werden sehen. Die nächsten drei Karten uns zeigen.« Sie deckte eine weitere Karte auf. »Der Gehängte.« Sie legte die Stirn in Falten, zögerte einen Moment und deckte die nächste Karte auf. »Der Teufel«, grummelte sie.
»Ist das schlecht?«, fragte Diane.
Die Zigeunerin antwortete nicht.
Diane sah zu, wie die Frau die nächste Karte aufdeckte. Sie schüttelte den Kopf. Ihre Stimme klang dumpf und unheilvoll. »Der Tod.«
Diane stand auf. »Ich glaube nicht an dieses Zeug«, sagte sie unwirsch.
Die Alte blickte auf, und als sie sprach, klang ihre Stimme noch unheimlicher. »Spielt keine Rolle, was Sie glauben. Der Tod begleitet Sie.«
3
Berlin
Oberkommissar Otto Fischer, zwei Kollegen in Uniform und Karl Götze, der Hausmeister des Apartmenthauses, starrten auf die nackte Frauenleiche mit der verschrumpelten Haut, die in der überlaufenden Badewanne lag. Ein schmaler, blau-roter Streifen zog sich um ihren Hals.
