
»Gute Frage.« Greenburg ging die anderen Taschen des Opfers durch. Er zog eine Brieftasche voller Banknoten heraus. »Auf sein Geld hatten sie’s jedenfalls nicht abgesehen.«
Er nahm eine Karte aus der Brieftasche. »Der Name des Opfers ist Richard Stevens.«
Praegitzer runzelte die Stirn. »Richard Stevens ... Stand über den nicht kürzlich irgendwas in der Zeitung?«
»Über seine Frau«, sagte Greenburg. »Diane Stevens. Sie tritt zurzeit vor Gericht auf, im Mordprozess gegen Tony Altieri.«
»Stimmt«, sagte Praegitzer. »Sie sagt gegen den Capo di Capos aus.«
Und beide wandten sich wieder Richard Stevens Leiche zu.
1
In Saal Nummer siebenunddreißig des Supreme Court Criminal Term an der Centre Street 180 in Manhattan wurde der Prozess gegen Anthony (Tony) Altieri mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Zahlreiche Zuschauer und Pressevertreter füllten den großen, ehrwürdigen Saal bis auf den letzten Platz.
Schlaff und reglos wie ein fahler, fetter Frosch saß Anthony Altieri in einem Rollstuhl am Tisch der Verteidigung. Nur seine Augen waren unentwegt in Bewegung, und jedes Mal, wenn er Diane Stevens, die auf dem Zeugenstuhl Platz genommen hatte, einen Blick zuwarf, konnte sie seinen Hass regelrecht spüren.
Neben Altieri saß Jake Rubinstein, Altieris Verteidiger. Rubinstein war aus zweierlei Gründen berühmt - wegen der Aufsehen erregenden Fälle, die er vorzugsweise übernahm, und weil seine Mandanten, zumeist bekannte Mafiosi, fast immer freigesprochen wurden.
Rubinstein war ein kleiner, gepflegter Mann mit scharfem Verstand und einer lebhaften Fantasie, der sich vor Gericht stets etwas Neues einfallen ließ. Theatralische Auftritte waren seine Spezialität, eine Kunst, die er hervorragend beherrschte. Außerdem war er ein ausgezeichneter Menschenkenner, der seine Widersacher im Nu einschätzen konnte, der intuitiv ihre Schwächen erkannte.
