Der junge Mann gefiel Bolitho. Gewiß, Dancer hatte seine Laufbahn spät begonnen. Er war ungefähr so alt wie Bolitho, und seine ruhige, kultivierte Stimme ließ darauf schließen, daß er aus einer guten Familie kam. Und sicherlich aus der Stadt.

Dancer sagte eben:»Ich habe gehört, daß wir nach Westafrika segeln. Aber. .»

Bolitho grinste.

«Das ist nur ein Gerücht unter anderen. Aber es wäre immerhin besser, als bei der Kanalflotte zu sein und ständig im Ärmelkanal hin und her zu rutschen.»

Dancer verzog das Gesicht.»Der Siebenjährige Krieg ist jetzt seit neun Jahren vorbei. Ich hätte doch gedacht, die Franzosen würden uns wieder auf den Leib rücken, und sei es nur, um ihre kanadischen Besitzungen wiederzukriegen.»

Bolitho wandte sich um und sah zwei invalide Matrosen auf den Wirt zugehen. Der beaufsichtigte gerade ein Küchenmädchen, das Suppe in Zinnschüsseln abfüllte.

Kein richtiger Krieg seit neun Jahren, das stimmte schon. Und doch gab es überall auf der Welt genug andere Konflikte, die nie abrissen: Aufstände und Piraterie; Kolonien, die gegen ihre neuen Herren revoltierten — solche Aktionen kosteten ebenso viele Opfer wie jede Seeschlacht.

«Schert euch weg!«sagte der Wirt grob.»Ich will hier keine Bettler.»

Der eine Matrose, dessen rechter Arm dicht unter der Schulter amputiert war, erwiderte ärgerlich:»Ich bin kein lausiger Bettler! Ich war auf der alten Marlborough, 74 Geschütze, Konteradmiral Rodney!»

Tiefe Stille im Eßraum; und Bolitho sah, daß einige der jüngeren Midshipmen die beiden Invaliden mit Furcht und Schrecken anstarrten.

Der zweite Mann rief besorgt:»Laß gut sein, Ted! Dieser Teufel gibt uns doch nichts.»

«Geben Sie ihnen alles, was sie brauchen!«sagte Dancer. Ärgerlich und verwirrt über seine Impulsivität schlug er die Augen nieder.»Ich bezahle.»

Bolitho blickte ihn an. Er war ebenso betroffen. Und ebenso beschämt.



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