Für Antonia und Jef



Prolog

Sir Henry Forrest, Bankier und Ratsherr der Stadt London, musste würgen, als er den Presshof betrat, so grauenhaft war der Gestank, schlimmer als die üblen Dünste der Abwässer, die aus dem Fleet Ditch in die Themse rannen. Es war ein Gestank wie aus den Jauchegruben der Hölle, ein atemraubender Modergeruch, der einem die Tränen in die Augen trieb. Unwillkürlich prallte Sir Henry zurück, drückte sein Taschentuch vor die Nase und hielt den Atem an aus Angst, sich übergeben zu müssen.

Sir Henrys Führer kicherte: »Ich merke den Geruch gar nicht mehr, Sir, aber ich schätze, auf seine Art ist er verteufelt schlimm, verteufelt schlimm. Passen Sie auf die Stufen auf, Sir, Vorsicht.«

Behutsam ließ Sir Henry das Taschentuch sinken und zwang sich zu fragen: »Woher kommt der Name Presshof?«

»Früher hat man hier die Gefangenen ausgepresst, Sir. Zerquetscht, Sir. Mit Steinen beschwert, Sir, um sie dazu zu bringen, die Wahrheit zu sagen. Das machen wir heute nicht mehr, Sir, leider, darum lügen sie auch wie die indischen Teppichhändler, Sir, wie die indischen Teppichhändler.« Der Führer, ein dicker Gefängniswärter, trug eine Lederhose, eine fleckige Jacke und einen kräftigen Knüppel. Er lachte. »Hier drinnen gibt es nicht einen Schuldigen, Sir, nicht wenn Sie sie selbst fragen!«

Sir Henry bemühte sich so flach zu atmen, dass er die üble Mischung aus Gestank, Schweiß und Moder nicht riechen musste. »Gibt es hier sanitäre Anlagen?«, erkundigte er sich.

»Ganz modern, Sir Henry, ganz modern. Newgate hat richtige Kanalisation, Sir. Wir verwöhnen sie, wirklich, aber sie sind dreckige Viecher, Sir, dreckig. Sie beschmutzen ihr eigenes Nest, Sir, das machen sie, sie beschmutzen ihr Nest.« Der Wärter verschloss und verriegelte das Tor, durch das sie eingetreten waren.



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