
»Aufenthaltsraum?«, fragte Sir Henry.
»Wo die Verurteilten sich über Tag aufhalten, Sir«, erklärte der Schließer, »außer an Feiertagen und Festtagen wie heute, Sir, und hinter den Fenstern da links sind die Salzkisten, Sir«.
Am Ende des langen, schmalen Hofes sah Sir Henry auf drei Stockwerken fünfzehn vergitterte Fenster, klein und dunkel. Die Zellen, die sich dahinter verbargen, wurden Salzkisten genannt. Warum sie diesen Namen trugen, wusste er nicht, wollte aber auch nicht fragen, um den Wärter nicht zu weiteren groben Scherzen zu verleiten. Allerdings wusste Sir Henry, dass man die fünfzehn Salzkisten auch als Wartezimmer des Teufels und Vorhölle bezeichnete. Es waren die Todeszellen von Newgate. Ein zum Tode Verurteilter, von dem hinter den dicken Gitterstäben nur die Augen als mattes Schimmern zu erkennen waren, starrte Sir Henry an, der sich umdrehte, als der Schließer die schwere Tür zum Aufenthaltsraum öffnete. »Sehr verbunden, Sir Henry, sehr verbunden.« Zum Zeichen seiner Ergebenheit tippte der Wärter sich mit dem Knöchel an die Stirn, als Sir Henry ihm als Dank für sein Geleit durch das Labyrinth der Gefängniskorridore einen Schilling in die Hand drückte.
Sir Henry trat in den Aufenthaltsraum, wo ihn der Gefängnisverwalter William Brown begrüßte, ein verhärmter Mann mit Glatze und schweren Hängebacken. Neben ihm stand, salbungsvoll lächelnd, ein untersetzter Priester in altmodischer Perücke, Soutane, fleckigem Chorrock und Beffchen. »Erlauben Sie mir, Ihnen den Ordinarius vorzustellen«, erklärte der Gefängnisverwalter. »Das ist Reverend Doktor Horace Cotton. Sir Henry Forrest.«
