»Nicht mehr«, erklärte Logan und folgte dem Blick seines Freundes, »ich vermute, sie ist keine Gefangene, sondern eine Dirne, Sir Henry. Sie zahlen den Wärtern ein so genanntes ›Sündengeld‹, damit sie hier ihren Lebensunterhalt verdienen können.«

»Sündengeld? Gütiger Gott!« Sir Henry wirkte bekümmert. »Und das erlauben wir?«

»Wir schauen weg«, sagte Logan gelassen, »in der Einsicht, dass es besser ist, Dirnen im Gefängnis zu haben als einen Aufruhr der Gefangenen.« Der Sheriff hatte die Prozession eine Steintreppe hinunter in einen Tunnel geführt, der unter dem Hauptgefängnis hindurch bis zum Torhaus verlief. In diesem finsteren Gang kamen sie an einer leeren Zelle vorüber, deren Tür offen stand. »Hier haben sie ihre letzte Nacht verbracht«, sagte Logan. Als das zum Tode verurteilte Mädchen schwankte, nahm ein Wärter seinen Ellbogen und schob es weiter.

»Mit nichts kamen wir auf diese Welt«, hallte die Stimme Reverend Cottons dumpf von den Granitwänden des Tunnels wider, »und mit Gewissheit können wir nichts mitnehmen. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gepriesen sei der Name des Herrn.«

»Ich habe nichts gestohlen!«, schrie das Mädchen unvermittelt.

»Ruhig, Kind, ruhig!«, knurrte der Gefängnisverwalter. Die Männer waren nervös. Sie wollten, dass die Gefangenen keine Scherereien machten, aber das Mädchen war einem hysterischen Anfall nahe.

»Herr, lass mich wissen, wann mein Ende naht und meine Tage gezählt sind«, betete der Ordinarius.

»Bitte!«, flehte das Mädchen. »Nein, Nein! Bitte.« Ein zweiter Wärter trat an seine Seite, falls es zusammenbrechen sollte und den Rest des Weges getragen werden müsste, aber sie stolperte weiter.

»Wenn sie sich allzu heftig wehren, werden sie an einen Stuhl gebunden und so gehenkt«, erklärte Logan Sir Henry. »Aber ich muss gestehen, dass ich das schon Jahre nicht mehr erlebt habe, allerdings erinnere ich mich, dass Langley es einmal so machen musste.«



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