
Sir Henry war ein gut aussehender Mann, groß, schlank, von gerader Haltung und klugen, anspruchsvollen Zügen. Er war ein reicher, erfolgreicher Bankier. Sein vorzeitig ergrautes Haar – sein fünfzigster Geburtstag lag erst wenige Tage zurück – verlieh ihm etwas Distinguiertes. Als er nun vor dem Kamin im Aufenthaltsraum des Gefängnisses stand, wirkte er jedoch alt, gebrechlich, ausgemergelt und kränklich. »Das liegt an der frühen Morgenstunde, Logan«, erklärte er, »so kurz nach Tagesanbruch bin ich nie in bester Verfassung.«
»Schon.« Logan gab vor, der Erklärung seines Freundes Glauben zu schenken. »Aber nicht jeder ist für diese Erfahrung geschaffen, obwohl ich sagen muss, dass das Frühstück im Anschluss sehr gut ist. Scharfe Nierchen. Ich bin schon zum zehnten oder elften Male hier, und das Frühstück hat mich noch nie enttäuscht. Wie geht es Lady Forrest?«
»Florence ist wohlauf, danke der Nachfrage.«
»Und deiner Tochter?«
»Eleanor wird ihren Kummer sicher überleben«, erklärte Sir Henry trocken. »An gebrochenem Herzen ist noch niemand gestorben.«
»Außer in Gedichten?«
»Verdammte Gedichte, Logan«, sagte Sir Henry lächelnd. Er hielt seine Hände ans Feuer, das darauf wartete, wieder zu Leben erweckt zu werden. Die Gefangenen hatten ihre Töpfe und Kessel seitlich daneben gestapelt, ein Häufchen angekohlter Kartoffelschalen kräuselte sich in der Asche. »Arme Eleanor«, sagte Sir Henry, »wenn es nach mir ginge, würde ich sie heiraten lassen, Logan, aber Florence will nichts davon hören. Vermutlich hat sie Recht.«
»Mütter wissen meist in solchen Dingen am besten Bescheid«, antwortete Logan leichthin. Das leise Gemurmel im Raum erstarb, und die Gäste wandten sich einer verriegelten Tür zu, die sich plötzlich mit schrillem Quietschen geöffnet hatte. Einen Herzschlag lang erschien niemand, und alle Gäste hielten offenbar den Atem an, bis unter hörbarem Aufseufzen ein Mann mit einer dicken Ledertasche hereinstapfte.
