Sir Henry nahm seinen Hut ab. »Zu Ihren Diensten, Doktor Cotton.«

»Zu Ihren Diensten, Sir Henry«, antwortete Doktor Cotton übertrieben nach einer tiefen Verbeugung. Die altmodische Perücke des Ordinarius bestand aus drei plumpen Wollbüscheln, die sein käsiges Gesicht rahmten. Auf seiner linken Wange prangte ein nässender Pickel, und zum Schutz gegen den Gefängnisgestank hatte er sich einen kleinen Strauß Blumen unmittelbar oberhalb des Beffchens um den Hals gebunden.

»Sir Henry ist in Amtspflichten hier«, vertraute der Gefängnisverwalter dem Priester an.

»Ach!« Doktor Cottons Augen weiteten sich, als wolle er andeuten, dass Sir Henry ein seltener Genuss bevorstünde. »Ist das Ihr erster Besuch dieser Art?«

»Ja«, gestand Sir Henry.

»Ich bin überzeugt, Sie werden es erbaulich finden, Sir Henry«, sagte der Priester.

»Erbaulich!« Sir Henry fand diese Wortwahl unangemessen.

»Diese Erfahrung hat manche Seele zu Christus bekehrt«, erklärte Doktor Cotton streng, »wahrhaftig, zu Christus bekehrt!« Lächelnd verbeugte er sich, als der Gefängnisverwalter Sir Henry zu den anderen sechs Besuchern führte, die zum traditionellen Newgate-Frühstück erschienen waren. Beim Letzten dieser Gäste, Matthew Logan, bedurfte es keiner Vorstellung, da er und Sir Henry alte Freunde waren. Als Ratsherren galten die beiden heute Morgen als Ehrengäste, denn die Ratsversammlung war der offizielle Dienstherr des Gefängnisses Newgate. Verwalter und Ordinarius des Gefängnisses, deren Gehälter von den Ratsherren festgelegt wurden, drängten den beiden Herren Kaffee auf, aber beide lehnten ab. Logan nahm Sir Henrys Arm und führte ihn an den Kamin, wo sie ungestört vor glimmenden Scheiten und rauchender Asche einige Worte miteinander wechseln konnten.

»Bist du sicher, dass du dir das ansehen möchtest?«, fragte Logan seinen Freund besorgt. »Du siehst verflixt blass aus.«



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