»Ach, Botting!« William Brown, der Gefängnisverwalter, sprach in einem Ton, als habe er Botting gerade erst bemerkt. »Einen schönen guten Morgen wünsche ich Ihnen.«

»Das ist es, wahrhaftig, Sir«, sagte Botting. »Ich dachte schon, es würde regnen, weil ich solche Schmerzen in den Ellbogen hatte, aber es ist kein Wölkchen am Himmel, Sir. Heute nur die vier Kunden, Sir?«

»Nur die vier, Botting.«

»Sie haben eine ganz hübsche Menge angelockt, Sir, eine hübsche Menge, muss ich sagen.«

»Schön, sehr schön«, sagte der Verwalter vage und wandte sich wieder seinem Gespräch mit einem der Frühstücksgäste zu. Sir Henry schaute seinen Freund Logan an. »Weiß Botting, weshalb wir hier sind?«

»Ich hoffe nicht.« Logan, Bankier wie Sir Henry, verzog das Gesicht. »Wenn er es wüsste, könnte er es verpfuschen.«

»Verpfuschen?«

»Wie sollte er uns besser beweisen, dass er einen Helfer braucht?«, erklärte Logan grinsend.

»Wie viel zahlen wir ihm?«

»Zehn Schillinge sechs Pence die Woche, aber er hat noch Nebeneinkünfte. Zum einen die heilende Hand und zum anderen die Kleider und die Seile.«

»Nebeneinkünfte?« Sir Henry war verblüfft.

Logan grinste. »Wir schauen uns die Vollstreckung bis zu einem gewissen Punkt mit an, Henry, aber dann ziehen wir uns zu scharfen Nierchen zurück. Sobald wir fort sind, lässt Mister Botting die Leute auf die Galgentribüne, damit sie einem der Toten die Hand berühren können. Das soll angeblich Warzen heilen, ich glaube, er nimmt für jede Behandlung einen Schilling. Und was die Kleider der Gefangenen angeht, so verkauft er sie an Madame Tussaud, falls sie sie haben möchte, und wenn nicht, werden sie als Andenken verhökert. Die Galgenstricke werden in Stücke geschnitten und auf der Straße verkauft. Glaub mir, Mister Botting leidet keinen Mangel. Ich habe schon oft überlegt, dass wir dem Meistbietenden die Henkersarbeit übertragen sollten, statt dem Schurken noch Lohn zu zahlen.«



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