
Innerhalb der Stätte — es bedurfte keines anderen Namens, denn es war die älteste und heiligste aller Gräberstätten in den vier kargischen Ländern — wohnten ein paar hundert Menschen. Es gab einige Gebäude: drei Tempel, das Großhaus, das Kleinhaus, das Quartier für die Eunuchen, und gleich außerhalb der Mauer die Baracken der Posten und die zahlreichen Sklavenhütten, die Lagerschuppen, die Pferche für die Schafe und Ziegen und die Scheunen. Von weitem, von den dürren Hügeln im Westen aus, auf denen nur Salbei, Büschel von Stachelgras, unscheinbares Unkraut und einige andere Kräuter wuchsen, sah es wie eine kleine Stadt aus. Selbst von den Ebenen im Osten aus konnte man, hinaufschauend, das Golddach des Tempels der Brüdergötter sehen, das unten am Berg funkelte und glänzte wie ein glitzerndes Körnchen im Felsgestein.
Der Tempel selbst war ein viereckiger, fensterloser Würfel aus Stein, weiß verputzt, mit einer niedrigen Veranda und einer kleinen Tür. Eindrucksvoller und Hunderte von Jahren jünger war der etwas unterhalb davon errichtete Tempel des Gottkönigs. Er hatte ein großes Portal mit mächtigen weißen Säulen, deren Kapitelle bemalt waren — jede Säule war aus dem Stamm einer einzigen Zeder geschnitzt, die per Schiff von Hur-at- Hur hergebracht und von zwanzig Sklaven unter großen Anstrengungen über die ausgedorrte Ebene an die Stätte geschleppt worden waren. Ein Reisender, der sich vom Osten der Stätte näherte, würde erst das Golddach und die hellglänzenden Säulen wahrnehmen, bevor er, weiter oben, den ältesten Tempel seiner Rasse sah: das riesige, niedrige Bauwerk, das die Thronhalle darstellte, deren Wände geflickt und zerbröckelt waren, und deren Kuppel verfiel.
