
Das Schönste und Begehrteste war die Erlaubnis, angeln gehen zu dürfen in dem trüben, grünen Fluß, der eine halbe Meile nordöstlich der Stätte durch die Wüste floß. Dort den ganzen Tag in der Sonne zu sitzen, mit einem Apfel und einem Buchweizenkuchen, und dem Sonnenlicht im Schilf zuzuschauen und den langsam dahinfließenden grünen Fluß zu beobachten und die Wolkenschatten an den Bergen, wie sie sich langsam veränderten, war das höchste Vergnügen, das sie kannte. Aber wenn man aufschrie vor Aufregung, wenn die Schnur sich spannte und man einen flachen, glitzernden Fisch aus dem Wasser schwang und ihn ans Ufer warf, damit er in der Luft ersticke, dann zischelte Mebbeth wie eine Natter: »Sei ruhig, du dumme Kröte!« Mebbeth, die im Tempel des Gottkönigs diente, war dunkelhaarig und dunkelhäutig und noch ziemlich jung, aber im Wesen war sie so hart wie Obsidian. Angeln tat sie mit Leidenschaft. Mit ihr mußte man sich gut stellen und nie einen Laut von sich geben, sonst wurde man nie mehr mit zum Angeln genommen, und man sah den Fluß nur noch im Sommer, wenn das Wasser der Brunnen so niedrig stand, daß man das Wasser aus dem Fluß schöpfen mußte. Das war eine mühselige Arbeit, dieses Wasserholen! Eine halbe Meile mußte man durch die weißglühende Hitze hinunter zum Fluß trotten, dort die beiden Eimer an der Tragstange füllen, und dann so schnell es ging wieder hinauf zur Stätte eilen. Die ersten hundert Schritte waren einfach, dann aber wurden die Eimer immer schwerer und die Stange drückte und brannte wie ein glühender Stab auf den Schultern, und das weiße heiße Licht wurde von der kahlen Straße zurückgeworfen und mit jedem Schritt wurde es mühseliger. Endlich, wenn man den kühlenden Schatten des Hofes hinter dem Großhaus erreicht hatte, wo sich der Gemüsegarten befand, konnte man die beiden Eimer in die Zisterne schütten, daß das Wasser aufspritzte, nur um sich dann wieder umzuwenden und alles noch einmal zu wiederholen, und noch einmal, und noch einmal.
