»Wenn die Zeit kommt, dann werde ich sie gehen lassen«, sagte die Frau. Sie neigte sich hinunter, um das Kind, das auf kleinen, nackten, weißen Füßen durch den Schlamm rannte, in ihren Armen aufzufangen. Als sie sich umwandte, um die Hütte zu betreten, beugte sie ihren Kopf und küßte das Haar des Kindes, das schwarz war; ihr eigenes Haar, im flackernden Feuerlicht, glänzte hell.

Der Mann stand noch draußen. Seine nackten Füße berührten den kalten Boden, und über ihm verdunkelte sich der klare Frühlingshimmel. Sein Gesicht, im Dämmerlicht, war voll Schmerz, ein dumpfer, schwerer, wütender Schmerz, den er niemals in Worten würde ausdrücken können. Schließlich zuckte er die Achseln und folgte seiner Frau in den vom Feuer erhellten Raum, der mit Kinderstimmen erfüllt war.

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DIE VERZEHRTE

Der einzelne, hohe, schrille Ton eines Hornes ertönte und verklang. Die Stille, die folgte, war nur vom Tritt vieler Füße unterbrochen, die mit dem gleichmäßigen Takt einer Trommel, im Herzschlagrhythmus, Schritt hielten. Durch Sprünge in der Decke des Thronsaales und durch Löcher zwischen den Säulen, wo ein ganzes Stück Mauerwerk und Kacheln herausgebrochen waren, fielen schräge, zaghafte Sonnenstrahlen. Es war eine Stunde nach Sonnenaufgang. Die Luft war ruhig und kalt. Die abgestorbenen Blätter des Unkrautes, das sich durch die Marmorfliesen hochgezwängt hatte, waren vom Reif bedeckt und raschelten, als sie von den langen, dunklen Gewändern der Priesterinnen berührt wurden.

Sie bewegten sich vorwärts, durch die Riesenhalle, in Viererreihen, zwischen den doppelten Reihen der Säulen. Die Trommel schlug dumpf. Keine Stimme war zu hören, kein Auge blickte auf. Fackeln, von schwarzgekleideten Mädchen getragen, brannten rötlich im Sonnenlicht, heller im dazwischenliegenden Dämmerlicht. Draußen, auf den Stufen, die zu der Thronhalle führten, standen die Männer — Wachposten, Trommler, Trompeter, aber nur Frauen schritten durch die großen Portale, in schwarzen Umhängen, mit der Kapuze über dem Kopf, und bewegten sich langsam, in Viererreihen, auf den leeren Thron zu.



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