Kossil sagte zu Penthe: »Zieh dein Kleid aus!«

Sie schlug das Mädchen mit einer Rute aus Schilfrohr. An einigen Stellen blutete es. Penthe ertrug die Strafe ohne Geschrei, nur Tränen rannen ihr übers Gesicht. Sie wurde ohne Abendessen in den Websaal zurückgesandt, und auch am anderen Tag bekam sie nichts zu essen. »Wenn du noch einmal über die Männermauer kletterst, wirst du viel Schlimmeres erleben, merk dir das, Penthe!« sagte Kossil. Ihre Stimme war gelassen und ausdruckslos. Penthe antwortete: »Ja«, und schlüpfte davon. Sie zuckte zusammen und verzog das Gesicht, wenn das grobgewebte Gewand ihre offenen Striemen berührte.

Arha hatte neben Thar gestanden und zugesehen, wie Penthe geschlagen wurde. Jetzt sah sie zu, wie Kossil das Schilfrohr reinigte.

Thar sprach zu ihr: »Es ziemt sich nicht, daß man dich mit anderen Mädchen herumrennen und -klettern sieht. Du bist Arha.«

Sie stand blaß und trotzig da und gab keine Antwort.

»Es ist besser, du tust nur das, was du tun mußt. Du bist Arha.«

Einen Augenblick lang hob das Mädchen die Augen auf und blickte Thar und Kossil an, und in dem Blick lag solch ein Haß und solch eine Wut, daß man davor erschrecken konnte. Doch die hagere Priesterin blieb davon unberührt, es bestärkte sie nur in ihrer Gewißheit. Sie neigte sich etwas nach vorne und flüsterte: »Du bist Arha. Nichts blieb zurück. Alles wurde verzehrt.«

»Alles wurde verzehrt«, wiederholte das Mädchen, wie es die Worte täglich wiederholt hatte, jeden Tag, seit es sechs Jahre alt war.

Thar neigte leicht den Kopf, und Kossil tat das gleiche, als sie die Rute weglegte. Das Mädchen verbeugte sich nicht, sondern drehte sich um und verließ den Raum.



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