Hinter ihr kam die schweratmende Kossil, man hörte, wie sich ihre Kleidung an den Felsen und an der Erde wetzte.

Plötzlich wurde der Gang höher. Arha konnte aufrecht stehen, und als sie ihre Hände ausstreckte, fühlte sie keine Wände mehr. Die feuchte Luft, die sie bedrückt hatte und nach Erde roch, war kühler hier, und schwache Strömungen ließen vermuten, daß sich vor ihnen eine große Höhlung auftat. Arha machte ein paar vorsichtige Schritte in die pechrabenschwarze Dunkelheit hinein. Ein Kiesel, von ihrer Sandale angestoßen, geriet in Bewegung, berührte einen anderen Kiesel, und das schwache Geräusch rief ein Echo hervor, das immer leiser, immer entfernter nachklang. Die Höhle mußte riesengroß, hoch und weit sein, doch sie war nicht leer: irgend etwas in der Dunkelheit, unsichtbare Flächen oder Wände, zersplitterten das Echo in tausend Fragmente.

»Wir müssen uns hier unter den Steinen befinden«, flüsterte Arha, und ihr Flüstern wurde von der hohlen Schwärze aufgenommen und in dünne Fäden aufgelöst, in Töne so fein wie Spinnweben, die noch lange im Gehör haften blieben.

»Ja, jetzt befinden wir uns im unteren Grab. Weitergehen! Ich kann hier nicht stehenbleiben. An der linken Wand entlang gehen! An drei Öffnungen vorbei!«

Kossils Flüstern war zischelnd, und die tausend kleinen Echos zischelten hinter ihren Worten her. Sie hatte Angst, man spürte, wie die Angst sie packte. Es behagte ihr nicht, hier unter den Namenlosen zu sein, in ihren Gräbern, in ihren Höhlen, in dieser Dunkelheit! Ihr Platz war nicht hier, sie gehörte nicht hierher.

»Das nächste Mal werde ich eine Fackel mitbringen«, sagte Arha, während sie sich an der Wand entlang tastete und sich über die seltsamen Formen im Fels wunderte, über die Vertiefungen und Erhöhungen, über die feinen Wölbungen und Kurven, über Kanten, die so uneben wie Spitzen, und andere, die so glatt wie Messing waren: es mußte sich um Reliefs handeln, anders war das nicht zu erklären. Vielleicht war das ganze Riesengewölbe das Werk von Bildhauern einer vergangenen Epoche?



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