»Dann bringe man kein Wasser und keine Nahrung mehr. Die Fackel kann auch ausgehen.«

Kossil verbeugte sich. »Und was macht man mit ihnen, wenn sie tot sind?«

»Duby und Vahto können sie in dem großen Gewölbe des unteren Grabes verscharren«, sagte Arha. Ihre Stimme wurde schrill, und sie redete schnell. »Es muß in der Dunkelheit getan werden. Meine Gebieter werden die Körper verzehren.«

»Es wird geschehen, wie Sie wünschen.«

»Ist es gut so, Kossil?«

»Ja, es ist gut so.«

»Dann laß uns gehen«, sagte Arha, und ihre Stimme klang plötzlich ganz schrill. Sie wandte sich um und eilte durch dieHolztür aus dem Kettenraum in die Schwärze des Ganges. Es schien ihr dort so friedlich und geruhsam zu sein, wie in einer sternenlosen Nacht, ohne Sicht, ohne Licht, ohne Leben. Sie stürzte sich in die reine Dunkelheit und bewegte sich vorwärts wie ein Schwimmer im Wasser. Kossil, schwerfällig und schweratmend, keuchte hinterher so schnell sie konnte, doch sie fiel immer weiter zurück. Ohne ihre Schritte zu verlangsamen, zählte Arha die ausgelassenen Öffnungen, schlug die richtige Richtung ein, der sie gefolgt waren, ging das Riesengewölbe entlang und kroch, tief gebeugt, die letzte Strecke durch den niederen Gang zur geschlossenen Tür im Fels. Dort hockte sie sich nieder und tastete nach dem langen Schlüssel, der am Ring an ihrer Taille hing. Sie fand ihn, aber das Schlüsselloch fand sie nicht. Auch nicht der kleinste Lichtstrahl war an der unsichtbaren Wand direkt vor ihrem Gesicht wahrnehmbar. Ihre Finger fühlten und suchten nach Schloß, Riegel oder Klinke, doch sie fanden nichts. Wo war das Schlüsselloch? Wie kam sie hier wieder heraus?

»Herrin!«

Kossils Stimme, durch Echos verstärkt, zischte und dröhnte weit hinter ihr.

»Herrin, die Tür kann nicht von innen geöffnet werden. Es gibt keinen Ausgang, keine Rückkehr!«



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