
Arha preßte sich gegen den Fels. Sie erwiderte nichts.
»Arha!«
»Ich bin hier.«
»Komm!«
Sie näherte sich Kossil auf Händen und Füßen, wie ein Hund, bis sie ihren Rock zu fassen bekam.
»Rechts! Beeil dich! Ich kann hier nicht bleiben. Ich gehöre nicht hierher. Folge mir!«
Arha erhob sich und hielt sich an Kossil fest. Sie bewegten sich vorwärts und folgten der seltsam gemeißelten, reliefgeschmückten Wand des Gewölbes bis zu einer Öffnung in der Schwärze. Sie gingen aufwärts, durch Gänge und Stufen hinauf. Arha hielt sich immer am Umhang der Priesterin fest. Ihre Augen waren fest geschlossen.
Licht war vor ihr, schien rot durch ihre Augenlider. Sie dachte, daß sie sich wieder im fackelbeleuchteten Kettenraum befände, und preßte ihre Augen zusammen. Doch die Luft roch süßlich, trocken und etwas moderig; es war ein vertrauter Geruch. Sie ließ Kossils Umhang los und machte ihre Augen auf. Über ihr war eine offene Falltür. Sie kletterte hinauf, Kossil folgend. Die Tür öffnete sich in einen Raum, den sie sehr wohl kannte. Eine kleine, aus Stein gebaute Zelle, in der sich einige Truhen und eiserne Kästen befanden, einer der unzähligen kleinen Räume hinter der Thronhalle. Tageslicht fiel grau und schwach vom Korridor herein, der vor der Tür lag.
»Die andere Tür, die Gefängnistür, führt nur hinein, aber nicht hinaus. Dies hier ist der einzige Ausgang. Weder Thar noch ich kennen einen anderen Ausgang. Wenn es noch einen gibt, so muß es meine Herrin wissen. Aber ich glaube nicht, daß es noch einen gibt.« Kossils Stimme klang noch immer gepreßt, und Widerwille lag darin. Ihr großes Gesicht unter der Kapuze war bleich und feucht vom Schweiß.
»Ich kann mich nicht mehr an die Abzweigungen erinnern, die hierher führen …«
»Ich werde sie meiner Herrin aufzählen. Aber nur dies eine Mal. Das nächste Mal muß sie sich selbst daran erinnern. Ich komme nicht wieder mit hierher, ich gehöre nicht hierher. Meine Herrin muß allein gehen.«
