Beide Mädchen hielten ihre Knie umklammert und schüttelten sich vor Lachen.

»Und Kossil drehte sich um und schrie: ›Was ist los? Was ist los?‹ zu-zu-zu der Ziege …« Das Ende der Geschichte wurde vom Lachen erstickt. Penthe wischte endlich über ihre Augen und Nase und biß geistesabwesend in einen anderen Apfel.

Das heftige Lachen hinterließ bei Arha ein Zittern. Sie beruhigte sich etwas, und nach einer Weile fragte sie: »Wie bist du eigentlich hierhergekommen, Penthe?«

»Ich war das sechste Mädchen, und mein Vater und meine Mutter konnten nicht so viele aufziehen und verheiraten. Als ich sieben Jahre alt war, brachten sie mich zum Tempel des Gottkönigs und haben mich ihmgeweiht. Das war in Ossawa, aber ich nehme an, daß die dort zu viele Novizen hatten, denn sie haben mich bald darauf hierhergeschickt. Vielleicht haben sie auch gedacht, daß ich eine besonders gute Priesterin abgäbe, aber darin haben sie sich getäuscht!« Penthe biß fröhlich in ihren Apfel und versuchte, ein reumütiges Gesicht zu machen.

»Wärst du lieber nicht Priesterin geworden?«

»Wäre ich lieber …?? Natürlich! Ich hätte lieber einen Schweinehirten geheiratet und in einem Graben gehaust. Alles, nur nicht hierherkommen müssen und alle Tage meines Lebens lebendig begraben zu sein unter Weibern, in einer Wüste, in der alles abstirbt und in die nie jemand kommt! Aber was nutzt es, was ich wünsche. Jetzt bin ich geweiht und sitze hier fest. Aber in meinem nächsten Leben, das kann ich dir sagen, in meinem nächsten Leben werde ich Tanzmädchen in Awabad! Das habe ich verdient!«

Arha blickte sie unverwandt aus dunklen Augen an. Das verstand sie nicht. Es kam ihr vor, als hätte sie Penthe noch nie zuvor gesehen, als wäre es das erste Mal, daß sie Penthe erblickte, rund, voll Leben und Saft, wie einer von ihren goldenen Äpfeln, die so schön aussahen.



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