
Das war, Wort für Wort, was ihr Thar erzählt hatte, und nie hatte sie gewagt, weitere Fragen zu stellen. Die hagere Priesterin war nicht grausam, aber sie war kalt und lebte nach ehernen Gesetzen. Arha hatte Angst vor ihr. Aber vor Manan fürchtete sie sich nicht, ganz im Gegenteil, ihm konnte sie gebieten: »Jetzt erzähl mir, wie Ich gewählt wurde!« Und dann wiederholte Manan die Geschichte, die er ihr schon so oft erzählt hatte.
»Am dritten Tage nach dem Neumond sind wir von hier weggegangen und haben uns nach Osten und Westen gewandt. Die letzte Arha war nämlich am dritten Tag nach dem Neumond, vor einem Monat also, gestorben. Zuerst gingen wir nach Tenakbah, das ist eine große Stadt, obgleich diejenigen, die beide Städte kennen, sagen, daß sie nicht größer als ein Floh zu einem Rind sei, wenn man sie mit Awabad vergleicht. Aber mir ist Tenakbah groß genug, es muß dort tausend Häuser geben! Von dort gingen wir nach Gar. Aber niemand in diesen Städten hatte ein kleines Mädchen, das vor einem Monat, am dritten Tag nach dem Neumond, geboren war. Einige hatten Jungen, aber Jungen kommen nicht in Frage … Dann gingen wir in das Bergland nördlich von Gar, in die Städte und Dörfer, die dort liegen. Ich komme von dort her, dort in den Bergen bin ich geboren. Es gibt dort Flüsse, und das Land ist grün, ganz anders als diese Wüste hier.« Immer, wenn er an diese Stelle kam, lag in Manans heiserer Stimme ein seltsamer Unterton, und er machte eine Pause und fuhr dann fort: »Und dann suchten wir alle Eltern auf, die Säuglinge hatten, die im vergangenen Monat geboren wurden.
